„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
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Weiterbildung

DGOU-Weiterbildungskurs: fit-after-eight

Ein neues Konzept zur berufsbegleitenden Weiterbildung im Facharzt für Orthopädie und Unfallchirugie

Neue Ideen zur Gestaltung der Weiterbildung und berufsbegleitenden Fortbildung sind seit einigen Jahren im Umlauf. Begriffe wie e-Learning, continuous medical education und continuous professional development kursierten. Deren Umsetzung im angloamerikanischen Sprachraum und die Übertragbarkeit in das deutsche System kennzeichneten die Fachdiskussion. Durch die Umorientierung des Medizinstudiums von Faktenwissen auf Kompetenzen hielten neue Lehrformen und eine systematische Schulung der Dozenten in der Lehre an den deutschen Universitäten Einzug. Begleitende wissenschaftliche Untersuchungen der bisherigen und zukünftigen Lehre haben einige wichtige Fakten gezeigt:

  • Der bislang gewohnte Frontalunterricht zur Vermittlung von Faktenwissen war nicht sehr effektiv, überließ dem jeweiligen Dozenten die Festsetzung der Lernziele und überging wesentliche chirurgische Kernkompetenzen.
  • Eine systematische Evaluation des Lernerfolges fand nicht statt.
  • Aktivierende Lehrmethoden wie z. B. das problemorientierte Lernen an realistischen Einzelfällen und Alltagssituationen werden zu selten eingesetzt, obwohl sie die beste Motivation erzeugen und zu den besten Lernerfolgen führen.

Mit der Etablierung des gemeinsamen Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie wurden diese Ideen und Überlegungen auch für DGOU, DGU und DGOOC/BVO relevant. Die Fülle des Stoffes im gemeinsamen Fach ist so groß, dass selbst in einem guten Crash-Kurs bei weitem nicht mehr alle Inhalte und Zusammenhänge zu vermitteln sind. Daher erscheint exemplarisches Lernen sinnvoller. Exemplarisches Lernen aber erfordert neue Lehrmethoden.

Innerhalb unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaften wurde uns bewusst, dass wir kein großes explizites Engagement für die strukturierte Weiterbildung vorzuweisen hatten. Und das, obwohl strukturierte Fort- und Weiterbildung die Attraktivität des Faches und die Attraktivität der Fachgesellschaften erhöht. Wir hatten das Feld weitgehend den Berufsverbänden überlassen.

Im Oktober 2006 wurde deshalb durch Beschluss des Präsidiums der DGU eine Task Force Fort- und Weiterbildung gegründet. Sie setzte sich das ehrgeizige Ziel, ab Herbst 2008 ein neues Curriculum anzubieten. Aktiv wurden die Akademie der Unfallchirurgie und die Akademie Deutscher Orthopäden mit Einbeziehung der Gremien von DGU, DGOOC, BVOU, und BDC.  Medizin-didaktischer Fachverstand wurde hinzugezogen in Form von Masters of Medical Education. Waren anfänglich überwiegend Unfallchirurgen in der Gruppe, so stießen ab August 2007 weitere Orthopäden hinzu. Jetzt dürfen wir von einer hochrangig besetzten, zwischen Jung und Alt ausgewogenen und mit großem Elan und Engagement arbeitenden Gruppe berichten.

Was ist das Ziel des Curriculums?

Wir bieten ein inhaltlich modernes und methodisch hochwertiges Curriculum für Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie auf der Grundlage der Weiterbildungsordnung an. Zielgruppe sind folglich in erster Linie Facharztkandidat(inn)en, in zweiter Linie aber auch alle Weiterbilder und Prüfer. Exemplarisches Lernen beschreiben wir mit den Schlagworten „in die Tiefe, nicht in die Breite“, „Mut zur Lücke“ und „Wichtiges, Häufiges, Lebensgefährliches“. Wir üben mit den Teilnehmern die Lösung von Problemen auf Facharztstandard in einem anspruchsvollen beruflichen Umfeld.
Als Grundlage dient die Matrix der chirurgischen Kernkompetenzen. Sie umfasst:

  • Faktenwissen (Fakten, Terminologie),
  • Konzeptwissen (Theorien, Modelle, Prinzipien, Klassifikationen),
  • prozedurales Wissen (warum und wie etwas tun),
  • ärztliches Verhalten,
  • Schulung zum lebenslangen Lernen und
  • metakognitives Wissen (was weiß ich, was kann ich)

Chirurgische Fähigkeiten und Fertigkeiten werden bewusst ausgeklammert.  Sie bleiben der Weiterbildung vor Ort und den einschlägigen Kursen, z.B. von den Berufsverbänden, der AO oder der AE, vorbehalten.

Wie ist das Curriculum aufgebaut?

Die Gruppe einigte sich darauf, ein berufsbegleitendes Curriculum aufzubauen, das in 4 Jahren 8 Module á 2 Tage anbietet. Die Module haben jeweils ein Leitthema (Abbildung 1). Sie sind inhaltlich aufeinander abgestimmt, aber unabhängig und in sich geschlossen gestaltet, so dass man jederzeit „einsteigen“ kann. Im Rahmen der Leitthemen werden stets sog. Querschnittsthemen berücksichtigt.

Querschnittsthemen sind:

  • Diagnostik,
  • Indikation zur konservativen und operativen Therapie
  • medikamentöse Therapie,
  • Schmerztherapie,
  • Nachsorge und Komplikationsmanagement,
  • Kommunikation
  • spezielle Aspekte der Technischen Orthopädie,
  • Kinderorthopädie und Kindertraumatologie,
  • Geriatrische Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Physikalische Therapie und Physiotherapie.

Für jedes Modul werden verbindliche Lernziele festgelegt und einheitliches Lehrmaterial entwickelt. Der Unterricht findet in Gruppen zu 8 bis 10 Teilnehmern mit didaktisch geschulten Dozenten statt. Die Dozenten sind während des gesamten Kurses anwesend. Der Unterricht stützt sich wesentlich auf authentische Probleme aus der täglichen Praxis, die durch wenige, ausgewählte Frontalvorlesungen ergänzt werden. Obligat sind Prüfungen und Evaluation. Attraktiv sind die Module auch dadurch, dass man durch diese Art des Unterrichts sehr viele CME-Punkte erwerben kann, und dass wir ein Zertifikat verleihen.

Wie wurden die Inhalte des Curriculums festgelegt?

In einem ersten Schritt wurden Ärzte in der Weiterbildung befragt, wo sie Defizite in ihrem Wissen und Können sehen. Auf Grund der Befragung und aus Überlegungen in unserem Kreis haben wir spezifische, überprüfbare Lernziele formuliert. In einem zweiten Schritt haben wir die gesammelten Lernziele rund 90 erfahrenen Weiterbildern und Facharztprüfern vorgelegt, die die Lernziele aus ihrer Sicht bewertet haben.

Daraus destillierten wir rund 300 Lernziele heraus, die wir in Kern-Lernziele und Mantel-Lernziele sowie Lernziele für Common Trunk und Lernziele für die spezielle Weiterbildung unterteilten. Die Kern-Lernziele mit höchster Bewertung für die berufsbegleitende Weiterbildung im neuen Facharzt haben wir als Grundlage für die 8 Module gewählt. Die Lernziele arbeiteten wir in die genannten modernen Lehrformen um, die das Lernverhalten von berufstätigen Orthopäden und Unfallchirurgen berücksichtigen.

Anmeldung und weitere Informationen unter: