Grußwort Prof. Dr. Norbert Südkamp
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie,
liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde,
mit diesem Grußwort möchte ich Sie als Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Unfallchirurgie des Jahres 2010 recht herzlich begrüßen.
Gleichzeitig möchte ich Ihnen und Ihren Familien für die 2. Dekade
des 21. Jahrhunderts alles Gute wünschen, insbesondere Gesundheit, privaten
und beruflichen Erfolg!
Es ist mir eine besondere Ehre und Freude, meinem Vorgänger, Professor
Dr. med. Hans Zwipp, für seine enormen Leistungen und sein großes
Engagement während seiner Amtszeit, insbesondere auch im Namen aller
Mitglieder, sehr herzlich zu danken.
Nach der Gründung des Vereinsverbandes DGOU im Juli 2008 und des positiven
Votums der Mitgliederversammlung im Oktober 2008 konnte Hans Zwipp als Präsident
der DGOU das Zusammenfinden in unserem Fach und das Zusammenleben als Orthopäden
und Unfallchirurgen – O und U - im Jahr seiner Präsidentschaft
zusammen mit seinen Ko- Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Klaus Peter Günther
und Dr. S. Götte als Vorsitzender des BVOU, bis zum Ende des Novembers
2009 erheblich voranbringen. Die DGOU hat derzeit weit mehr als 7.000 Mitglieder,
besonders erfreulich und bemerkenswert ist die Tatsache, dass die AGA und
die AE als eingetragene Vereine außerordentliche Mitglieder der DGOU
geworden sind und im Vereinsverband DGOU gleichzeitig die Aufgabe von Sektionen übernommen
haben. Besonders danken möchte ich, auch im Namen aller Mitglieder der
DGU, für einen hervorragenden Kongress mit einem ausgezeichneten und
anspruchsvollen wissenschaftlichen Programm, begleitet von einem abwechslungsreichen,
teils feierlichen, teils vergnüglichen Rahmenprogramm.
DKOU 2010
Obwohl die 73. Jahrestagung der DGU noch nicht beendet war, hatten
die Vorbereitungen für die 74. Jahrestagung längst begonnen und
laufen derzeit bereits auf Hochtouren. Mit unserem Motto: "Innovation,
Sicherheit und Zuverlässigkeit" haben wir zufällig auch den
Zeitgeist in der Medizin und speziell in der Orthopädie und Unfallchirurgie
für die 2. Dekade des 21. Jahrhunderts getroffen.
Der Zyklus von Innovationen wird immer kürzer, eine immer größer
werdende Flut von neuen Implantaten, neuen Techniken und Verfahren stellt
den Anwender vor das Problem, für welches Produkt er sich für die
Versorgung seiner Patienten entscheiden soll. Die finanzielle Situation der
gesetzlichen Krankenversicherungen mit geschätzten jährlichen Ausgaben
von über 140 Mrd. Euro im Jahr 2010 ist neben den Ausgabensteigerungen
und krisenbedingten Beitragsausfällen nicht entspannt und wird zu einem
weiteren Druck auf die Leistungserbringer führen.
Das Thema Sicherheit gewinnt aus verschiedenen Perspektiven immer mehr Bedeutung.
Allein die Verdichtung der Arbeit in unseren Kliniken mit Verkürzung
der Liegezeiten, einer Steigerung der Leistungszahlen von ca. 20% in den
letzten 3-4 Jahren lässt antizipieren, dass dieses durchaus mit einem
Anstieg der Fehlerrate einhergehen könnte und dieses proaktiv zu vermeiden
gilt. Die durch EDV und Vernetzung induzierte Transparenz von Zahlen, Leistungen
und Komplikationen macht die Kliniken ‚gläsern’, Begriffe
wie Mindestmengen und ‚Benchmarking’ gehören bereits zum
Alltag der Klinikarbeit. Während dieses noch akzeptabel erscheint, müssen
wir unbedingt dagegen angehen, dass man die Medizin weiter kommerzialisiert!
Kostenbewusstsein ist wichtig und notwendig, aber eine Orientierung von Indikation
und Therapiekonzepten am Entgeltsystem ist nicht mehr mit der Ethik des Arztberufes
in Einklang zu bringen. Im Gegenschluss ist es jedoch unsere Aufgabe, die
Evidenz unserer Therapiekonzepte zu bestimmen bzw. nachzuweisen und transparent
darzulegen. Dieses ist eines der Hauptanliegen meiner Präsidentschaft,
mit angrenzenden Disziplinen Strategien zu entwickeln, wie man dieses Ziel
erreichen bzw. ihm ein großes Stück näher kommen kann.
Die von unserer Fachgesellschaft geleistete aktive Unterstützung von
Aktionen zur Patientensicherheit gilt es weiter zu expandieren und in die
Breite zu entwickeln. Wir alle sind gefordert dieses in den Fokus unserer
Tätigkeit zu bringen. Auch wenn die DGU bereits als Gesellschaft Mitglied
des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. ist, besteht für jeden
Einzelnen von uns darüber hinaus die Möglichkeit einer persönlichen
Mitgliedschaft.
Die Zuverlässigkeit erwächst aus der Anwendung von modernen und
sicheren Behandlungsverfahren, dadurch werden wir gleichermaßen für
Patienten und Industrie zuverlässige Partner.
Es ergeben sich eine Vielzahl von wissenschaftlichen, fachbezogenen und berufspolitischen
Herausforderungen, nicht nur bedingt durch die sich wandelnden Gesundheitssysteme
in Deutschland, sondern auch in Europa. Daher haben wir diesmal unsere niederländischen
Nachbargesellschaften in Orthopädie und Traumatologie eingeladen, diesen
Kongress aktiv mit zu gestalten. Als weitere Partner möchten wir die
Radiologischen Kollegen beteiligen, da es mit diesem Fachgebiet eine Reihe
von Gemeinsamkeiten und Schnittstellen in der täglichen Praxis und um
nur eine wichtige Schnittstelle zu nennen, der Aus- und Weiterbildung gibt!
Die Beteilung der Europäischen Gesellschaften ESTES und EFORT sind auch
weiterhin Bestandteil des Kongresses, eine erfolgreiche Partnerschaft!
Viele unserer Mitglieder sind in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und
Sektionen sehr aktiv. Diese haben sich zum Teil mit thematisch gleichen Sektionen/Arbeitsgemeinschaften
und Kommission der DGOOC bereits unter dem Dach der DGOU zusammengeschlossen.
Allen diesen Arbeitsgemeinschaften und Sektionen möchten die diesjährigen
Kongresspräsidenten für den kommenden Kongress ein spezielles Forum
durch Einrichtung eines ‚Specialty Day’ bieten. An den ersten
beiden Kongresstagen, am Dienstagnachmittag und Mittwochmorgen, haben die
Arbeitsgemeinschaften und Sektionen Gelegenheit, aus ihren Arbeitsgebieten
wissenschaftliche Sitzungen eigenverantwortlich zu gestalten.
Fortgesetzt werden soll die Nachwuchsförderung,
- die letztjährige, erstmalige und sehr erfolgreiche ,Summer School’ für
Studierende wird bei den ‚Incoming Presidents’ in Homburg
durchgeführt,
- spezielle Programme des Jungen Forums der DGOU mit u.a. kostenfreier
peer-to-peer Studenten-Führung durch den gemeinsamen Kongress im Oktober
werden wiederum stattfinden.
Hierdurch kann die Attraktivität unseres Faches besser präsentiert
und transparenter werden, um Studierenden frühzeitig Einsicht in die
Breite und die Vielfalt beruflicher Möglichkeiten unseres Faches zu
geben. An das Projekt der örtlichen Partnerschaft der Hochschullehrer
zu ‚ihren’ Studierenden, im letzten Jahr von der DGOU initiiert,
möchte ich erinnern und die ‚Betroffenen’ herzlich um aktive
Unterstützung bitten.
Die Deadline für die Abstract Einreichung ist bereits abgelaufen und
es sind weit über 1.300 Abstracts eingegangen. Dieses lässt wieder
ein hochkarätiges wissenschaftliches Programm erwarten.
DGU
Im Dezember 2009 gaben das Deutsche Krankenhausinstitut und die Zeitschrift ‚Das
Krankenhaus’ einen Ausblick auf das Jahr 2010. Verschiedene Referenten
der Krankenkassen und Krankenhäuser, des DKI, des GKV-Spitzenverbandes,
der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft
und die parlamentarische Staatssekretärin im BMI beleuchteten grundsätzliche
Fragen der Gesundheits- und Krankenhauspolitik.
Mindestens jedes fünfte Krankenhaus schreibt rote Zahlen, Kliniken mit
ausgeglichenen Ergebnissen haben das meist nur durch massive Anstrengungen
und Rationalisierungsbemühungen geschafft. Kleinere und größere
Veränderungen im Betten- und Belegungsmanagement, Verbesserungen im
Aufnahme- und Entlassmanagement, sowie Patientendurchlaufsteuerungen (sog.
Pfadpatienten) haben zu einer weiteren Optimierung und Verdichtung der Leistungen
geführt. Verlagerungen von Prozessen in den Vor- und nachstationären
Bereich, das Einführen von OP Managern sowie die vermehrte Zusammenarbeit
und Zusammenlegung von Fachabteilungen und Funktionsbereichen sind ebenfalls
zu nennen. Die bereits schon erwähnte Ausgabensteigerung bei krisenbedingter
Verminderung der Beitragseinnahmen wird versucht werden, auf uns Leistungserbringer
abzuwälzen. Dieses wird zu einer weiteren Steigerung der Arbeitsbelastung
führen. Nach Angaben des DKI haben bereits zwei Drittel der Krankenhäuser
Probleme, offene Stellen im Ärztlichen Dienst zu besetzen. Bezogen auf
die Gesamtzahl der heutigen Stellen in den jeweiligen Häusern konnten
die Krankenhäuser mit Stellenbesetzungsproblemen insgesamt etwa 4% ihrer
Stellen im Ärztlichen Dienst nicht besetzen. Hochgerechnet entspricht
das etwa 4.000 Stellen im Ärztlichen Bereich, die bundesweit nicht besetzt
werden konnten. Damit haben sich diese offenen Stellen gegenüber 2006
verdreifacht, dieses hat unmittelbare Auswirkung auf die Arbeitszeitorganisation,
und z.B. Wartelisten für Operationen; es führt obendrein zu einer
Beeinträchtigung der Patientenversorgung. Damit können oft Schließungen
von Stationen oder gar gesamten Bereichen nicht vermieden werden.
Die DGU hat durch ihre frühzeitige Beteilung an neuen Berufsbildern,
wie dem Arzt Assistenten mit Zusatzqualifikation Orthopädie und Unfallchirurgie
in einem gemeinsam von der Steinbeiss Hochschule und der DGOU gestalteten
Bachelor Ausbildungsprogramm, diese Entwicklung vorausgesehen und will damit,
zumindest teilweise, entgegen wirken und sich aktiv an einer bedarfsorientierten
und praxisbezogenen Einbindung verschiedener Gesundheitsberufe beteiligen.
Die von der parlamentarischen Staatssekretärin vorgetragene Forderung
der Koalition nach Planbarkeit und Verlässlichkeit im Gesundheitswesen
entspricht den Aktivitäten der DGU. Mit Schaffung des TraumaNetzwerksD
DGU, der Zertifizierung der Traumazentren in TraumaNetzwerken wird die flächendeckende
Qualität in der Schwerverletztenversorgung mit Schonung von Ressourcen
hoffentlich bald Realität. 3 ½ Jahre nach Veröffentlichung
des ‚Weissbuch der Schwerverletztenversorgung’ ist eine Überarbeitung,
Ergänzung und Neuauflage erforderlich. Eine Arbeitsgruppe hat sich dieser
Arbeit angenommen.
Aber auch die Arbeit unserer Leitlinienkommission, an der sich eine große
Zahl unserer Mitglieder beteiligt, ist ebenfalls ein hervorzuhebender Faktor.
Durch Schaffung von Leitlinien wird die Qualität nachhaltig verbessert
und die Verlässlichkeit gegenüber den Patienten und Kostenträger
gesteigert.
Aus der Sicht der Regierung ist das Gesundheitswesen nicht nur ein
Kostenfaktor, sondern ein bedeutender innovativer Wirtschaftsfaktor mit mehr
als 4,4 Millionen Beschäftigten. Die Nachfrage nach medizinischen und
pflegerischen Leistungen führt zu einer Stabilisierung der Wirtschaft
und des Arbeitsmarktes gerade in Krisenzeiten. Die Regierung strebt an, allen
Bürgern eine wohnortnahe, hochwertige medizinische Versorgung auf dem
aktuellen Stand des medizinischen Wissens und Fortschritts anzubieten. Sie
strebt eine schrittweise Veränderung des Finanzierungssystems der GKV
zu mehr Beitragsautonomie und regionalen Differenzierungsmöglichkeiten
an, zusätzlich sollen die Versicherungsbeiträge tendenziell von
Lohnkosten abgekoppelt werden.
Zu diesen Themen müssen wir, als wissenschaftliche Gesellschaft, die
Interessen unserer Mitglieder möglichst erfolgreich vertreten, indem
wir diese gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklungen und
Veränderungen aktiv mit Projekten und Vorschlägen zusammen mit
unseren Partnern in den Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Verbänden
der verschiedenen Gesundheitsberufe – als mittelbar Betroffene ! – kritisch
begleiten.
DGOU
Die Aktivitäten des letzten Jahres bestanden darin, arbeitsfähige
Strukturen zu schaffen und weiter auszubauen. Dieses ist durch den bereits
erwähnten Zusammenschluss verschiedener Arbeitsgemeinschaften und Sektionen
erfolgt. Auch mit der Besetzung der Ausschüsse im letzten Jahr haben
diese ihre Arbeit aufgenommen.
Das Jahr 2010 wird gekennzeichnet sein, durch gemeinsame Anstrengungen die
Strukturen der DGOU den Erfordernissen unserer Mitglieder und den Aufgaben,
die auf uns zukommen, anzupassen, um effektiv, nachhaltig und erfolgreich,
die anstehenden Probleme zu meistern.
Ich möchte Sie aufrufen, Ihr bisheriges Engagement in unserer Gesellschaft
beizubehalten, damit wir gemeinsam die wissenschaftlichen und berufspolitischen
Herausforderungen der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts annehmen und meistern
können.
Herzlichst!
Ihr
Norbert Südkamp