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Wegweiser: Unfallchirurgie - NEU
NEU

Das Netzwerk Experimentelle Unfallchirurgie (NEU)

Stand und Perspektiven

Von Prof. Dr. Norbert M. Meenen, Leiter des Wissenschaftsausschusses und Leiter von NEU

Bereits in der Septemberausgabe der „Mitteilungen und Nachrichten“ unserer Gesellschaft (Heft 56) konnte ich über das Netzwerk „Experimentelle Unfallchirurgie“ (NEU) berichten. Da im Vorfeld des diesjährigen Kongresses ein Treffen von NEU mit den entsprechenden beiden Netzwerken der Orthopäden stattgefunden hat, möchte ich Ihnen im Folgenden eine aktualisierte Fassung meines Berichtes geben.

An vielen deutschen Universitäten wird experimentelle Muskulo-Skelettale Forschung und Trauma- und Schockforschung mit hoher Qualität und Effektivität von hauptberuflich tätigen Forschern geleitet. Diesen professionell geführten Forschungslabors bietet die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie mit dem Netzwerk Experimentelle Unfallchirurgie (NEU) nun eine aktive Plattform für Austausch und Kooperation.

Aufgaben und Ziele

NEU ist eine Aktivität des Wissenschaftsausschusses der DGU, die sich aus den Zielen und Aufgaben der DGU als Fachgesellschaft und seines Wissenschaftsausschusses zur Förderung experimenteller und klinischer Forschung ergibt. Besonders die Förderung junger Forscher ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen, insbesondere Arbeitszeitschutzgesetz, Konzentration mit Arbeitsverdichtung in den Kliniken und Tarife von höchster Priorität:

  • Der Komplex aus purer Ökonomisierung von Behandlungen, gesetzlich verordneter und kontrollierter Arbeitszeitbeschränkung bei erhöhtem Arbeitsanfall mit gleichzeitigem Reallohnverlust hat zu einer bewussten Ausblendung der Bedeutung wissenschaftlicher Tätigkeit vor allem für junge Ärzte geführt.
  • Trotz ausdrücklichem Forschungsauftrag an die Universitäten werden ausgewiesene wissenschaftliche Stellen für die Erfüllung klinischer Aufgaben missbraucht, wird wissenschaftliche Tätigkeit im Labor nicht auf die Weiterbildungszeit angerechnet. Stattdessen verzögert Forschung das Erreichen des Facharztes für jeden Einzelnen. Zudem ist Arbeit im Labor mit einem weiteren Einkommensverlust verbunden, da nur während klinischer Tätigkeit auch Bereitschaftsdienste absolviert und bezahlt werden können.
  • Hier arbeitet der Wissenschaftsausschuss in Zusammenarbeit mit dem Jungen Forum der DGU an kreativen Lösungsansätzen, zu denen auch Aspekte aus dem Zielkatalog von NEU gehören.
  • Daneben bietet die DGU über das Methodische Beratungszentrum (Leiter: Priv.-Doz. Dr. med. Dirk Stengel, MSc) allen wissenschaftlich Interessierten Unterstützung in der pragmatischen (!) Planung, Durchführung und Auswertung Klinischer Studien im Einklang mit den zunehmend komplexeren administrativen und legislativen Vorgaben an. Hierzu zählen u.a. unverzichtbare Schritte wie die Hypothesenformulierung, Literaturrecherche, Fallzahlplanung, Protokollgestaltung etc. Die Kooperation mit dem Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (SDGC) ermöglicht die Entwicklung tragfähiger Lösungsstrategien. Derzeit wird an Wegen gearbeitet, durch eine mehrmonatige Rotation an klinischer und translationaler Forschung interessierten jungen Kolleginnen und Kollegen die Grundbegriffe der Studienplanung und –Analyse näher zu bringen.

Förderung junger Wissenschaftler

Vor allem hat das Netzwerk die Aufgabe, jungen ambitionierten Ärzten ein Angebot für einen Zugang zu Labors in Deutschland und damit zu einer soliden experimentellen Ausbildung durch Mitarbeit in kompetenten Arbeitsgruppen zu ermöglichen. Dadurch werden die bereits seit einigen Jahren mit großem Erfolg durch die Akademie Unfallchirurgie (AUC) angebotenen wissenschaftlichen Kurse erweitert und ergänzt. Eine Forschungskarriere kann durch intelligente Wahl der Forschungsstelle mit Hilfe des Netzwerk Experimentelle Unfallchirurgie geplant und realisiert werden. Zu diesem Ziel hat NEU eine Methodenmatrix aller beteiligten Labors erarbeitet und ins Netz gestellt, die der Transparenz über experimentelles Know-how in Deutschland dient.

Förderung gemeinsamer Projekte

Neben der Nachwuchsförderung ergibt sich für die Labors des Netzwerkes experimentelle Unfallchirurgie (NEU) die Chance eines intensiven und zielorientierten Forschungsverbundes, bei dem gemeinsame Forschungsrichtungen abgestimmt und Forschungsanträge koordiniert werden können. Es können über solche Projekte strategische Partnerschaften unter den Labors entstehen. Diese Netzwerkbildung ist auch im Interesse der DFG, die erklärtermaßen bevorzugt Verbünde und Netzwerke fördern möchte. NEU kann der DFG als Qualitätsmerkmal für die Förderung vermittelt werden. Unter Beteiligung von NEU ist in jüngster Zeit eine überregionale DFG-Forschergruppe (Ulm, Hamburg, Würzburg, München) mit dem Thema "Mechanismen der Frakturheilung und Knochenregeneration bei Osteoporose" entstanden.

Gremienarbeit
Um mittel- und langfristig Veränderungen der Situation zu erreichen, betreiben der Wissenschaftsausschuss der DGU und NEU aktiv eine Förderung experimenteller Forschung und junger Forscher, indem in forschungspolitisch relevanten Gremien eine zielgerichtete Problematisierung erfolgt, hierzu zählen die Kommission der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) “Arbeitsbedingungen des Wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland“ und das „Exekutiv-Komitee chirurgische Arbeitsgemeinschaft Forschung“ der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Treffen der Netzwerklabors in Frankfurt 2006/2007
Die Labors im Netzwerk experimentelle Unfallchirurgie (NEU) haben sich bisher zweimal bei sehr gut besuchten zweitägigen Treffen in Frankfurt getroffen. Als Tagungsstätte hat sich die Sportschule des Landessportbundes Hessen bewährt. Die DGU hat diese Veranstaltungen großzügig finanziell gefördert und ihre Bedeutung durch Präsenz von Präsident und Schatzmeister gewürdigt.
Hierbei wurden im Juli 2006 und im Februar 2007 organisatorische und experimentell-inhaltliche Themen diskutiert und entschieden:

Es wurden die Kriterien abgestimmt, die eine aktive Mitarbeit im Netzwerk sinnvoll machen: So sollte es sich bei der Forschungseinrichtung um professionell geführte Labors handeln, die mindestens ein öffentlich gefördertes Drittmittelprojekt bearbeiten. Entscheidend ist aber die generelle Bereitschaft des Labors, jungen Forscher durch Hospitationen wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die sie in ihrem eigenen Forschungsumfeld nicht vorfinden. Auf diesem Wege wurde bereits ein DFG-Stipendiat aus dem Münchener Labor für 2 Jahre nach Hamburg vermittelt.

Die Präsentation der einzelnen Labors bezüglich ihrer Methoden und Forschungsschwerpunkte führte zur Entwicklung einer übersichtlichen Methodenmatrix, die durch das Institut von Herrn Neugebauer in Köln strukturiert und aktualisiert wurde. Damit wird transparent der Einsatz differenzierter Methoden in hoher Qualität an bereits existierenden Schwerpunkten verbessert, d.h. jetzt ist erkennbar, wo bei Bedarf Informationen oder Dienstleistungen zu wissenschaftlichen Methoden abgefordert werden können oder mit wem Kooperationen sinnvoll sind.

Unter diesem Aspekt wurden Schwerpunkte der Muskuloskelettalen Forschung unter Berücksichtigung der Aktivitäten von DFG und BMBF (Roadmap) lokalisiert und Teilnehmer bei NEU zur Statuserhebung innerhalb des Netzwerkes beauftragt, um koordinierte Maßnahmen und Konzepte erarbeiten zu können.

Ähnliche Ansätze wurden in einer zweiten Arbeitsgruppe auch für die Trauma- und Schockforschung vereinbart.
Solche themenorientierte Arbeit in kleineren Einheiten wird den zukünftigen Stil der Arbeit des Netzwerkes NEU und auch der Zusammenarbeit mit den beiden orthopädischen Netzwerken NRO (regenerative Orthopädie) und MSB-net (Biomechanik) darstellen. Plenumsveranstaltungen werden nur für übergreifende Themen sinnvoll sein.

Wege der Kooperation mit der Orthopädie
Eine solche Plenumsveranstaltung hat erfreulicherweise als Auftakt des Jahreskongresses von DGU und DGOOC im Herbst in Berlin auf Einladung der zwei Präsidenten stattgefunden. Hier kamen die aktiven Forscher und die Leiter der Netzwerke aus beiden Fachgesellschaften zusammen, um die Kooperation von NEU mit den zwei orthopädischen Netzwerken zu strukturieren. Neben der Präsentation der Schwerpunkte der einzelnen Netze und der Förderungsaktivitäten wurden Fragen der Organisationsstruktur diskutiert:

Sollen sich die Labors in den Netzwerken einem Zertifizierungsprozeß unterziehen?
Bewußt verzichtet NEU auf diesen Strukturierungseingriff, um den Zugang zum Netzwerk zu öffnen und Labors zur Mitarbeit zu motivieren.

Soll eine Ausschüttung von Förderungsmitteln an die Netzwerklabors durch die DGU erfolgen? Die DGU unterstützt die Netzwerktreffen finanziell .Angedacht ist in Zukunft an Stipendien für experimentelle Labortätigkeit.
Real ausbildende Labors können ggf. ebenfalls Förderung erhalten.
Allein die Beteiligung an NEU ist kein Förderungsgrund.

Wie kann eine gemeinsame Plattform für die Netzwerke beider FG etabliert werden?
Der Leiter von NEU wurde per Akklamationem beauftragt, eine gemeinsame fächerübergreifende Netzseite zu implementieren, die Teilnehmer und Aktivitäten öffentlich macht.

Wie kann Laborarbeit gegenüber klinischer Tätigkeit aufgewertet werden? Wie kann experimentelle Forschung erfolgreich im Ausbildungscurrikulum junger Ärzte und Forscher ausgebaut werden? Hier müssen alle politischen Möglichkeiten genutzt werden, den Verlust der Wissenschaftlichkeit in Ausbildung und Weiterbildung zu verhindern, die derzeit schon in der Vorklinik droht. Spezielle MD / PhD Programme einzelner Fachbereiche werden auf Tauglichkeit geprüft.

Wie lassen sich gemeinsam Forschungsprojekte initiieren?
Inhaltsorientierte oder methodenspezifische Kooperationen lassen sich durch die transparente Struktur von NEU wesentlich leichter realisieren. Benötigte Partner können nach ihrem Methodenspektrum lokalisiert werden. Auch zum Monitoring solcher Forschungsprojekte läßt sich die Plattform nutzen.



Typ Titel Größe Datum
Was ist NEU? - Das Netzwerk Experimentelle Unfallchirurgie 02.08.2005
Autor/Quelle:
Redaktion
DGU-Online Redaktion
erstellt am: 25.08.2004
zuletzt aktualisiert: 09.06.2010
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