
Sehr geehrte Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,
es ist mir eine besondere Freude, Sie in meiner neuen Funktion als Präsident 2012 der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) begrüßen zu dürfen und verbinde dies auch mit den besten Wünschen für Sie, Ihren Familien und auch Ihren Mitarbeitern für ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr.
Zu aller erst möchte ich meinem Vorgänger, Herrn Professor Tim Pohlemann, unserem Vorstand, sowie dem Präsidium und allen in den AG’s, Sektionen und Kommissionen Tätigen für den großen Einsatz und ihre erfolgreiche Arbeit im Interesse unserer Gesellschaft danken! Diese vertrauensvolle, aber auch offene und konstruktive Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Vorstand und Gremien stellt die Grundlage einer kontinuierlichen Entwicklung sowie Umsetzung wichtiger strategischer Ziele in unserer Gesellschaft dar. Selbstverständlich gilt mein Dank auch allen Mitgliedern unserer Gesellschaft, die „ohne im Rampenlicht zu stehen“ sich im Sinne unseres Leitbildes: „die uns anvertrauten Patienten stehen jederzeit im Mittelpunkt all unserer Bemühungen“ einsetzen.
Welches sind die Aufgaben, die sich mir im Jahr 2012 stellen und was werden die Schwerpunkte und möglichen Ziele des Präsidentenjahres sein:
Qualität – Ethik – Effizienz, dies ist das Motto und auch der Spannungsbogen, unter dem nicht nur der Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie im Jahre 2012 steht, sondern auch die Präsidentschaft.
Ist Qualität das Ziel unseres diagnostischen und therapeutischen Vorgehens und die Ethik das ärztliche Fundament, so beinhaltet Effizienz die Nachhaltigkeit unseres ärztlichen Handelns und dies unter dem Einsatz möglichst geringer Ressourcen. Trotz allen Fortschrittes innerhalb unseres Fachgebietes und trotz aller Einflüsse von außen, hier insbesondere der ökonomischen Zwänge, dürfen Abstriche am ethischen Handeln nicht vorgenommen werden.
Gerade ethische Fragestellungen scheinen in unserer Zeit, die dominiert wird von Budgetierung, DRG-Kennzahlen und Case-Mix-Punkten einerseits, sowie Personalmangel und Nachwuchssorgen andererseits, immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Dem stehen die berechtigten Ansprüche an die Qualität unseres ärztlichen Tuns gegenüber, wobei auch hier die Anforderungen an die Ergebnisse unserer Arbeit durchaus noch höher geschraubt werden sollen (Pay for performance).
Ebenfalls stellen müssen wir uns medizin-politischen Fragestellungen, wie etwa: „Operieren wir zu viel?“, „Wie gehen wir mit der Problematik der Hospitalkeime um?“. Aber auch berufspolitische Themen, wie die Verzahnung und die damit auftretenden Probleme zwischen ambulanter und stationärer Unfallchirurgie / Orthopädie müssen bearbeitet werden.
Die Herausforderung und Aufgaben, die sich der DGU stellen, werden trotz des Zusammengehens mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) in der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) nicht weniger.
Es gilt, die Einheit des neuen Faches Orthopädie und Unfallchirurgie zu fördern und das Verlagern gemeinsamer Aufgaben in die DGOU zu forcieren, ohne die Stärken unserer Unfallchirurgie zu verlieren und die Wurzel unserer DGOU zu vergessen. Dabei möchte ich auf das Grußwort des letzen Jahres von Tim Pohlemann zurückgreifen und wiederholen: „Eine wesentliche Aufgabe der DGU wird aber immer die kontinuierliche Arbeit an Struktur, Qualität und Sicherheit zur Verbesserung der umfassenden, lückenlosen Unfallversorgung in Deutschland bleiben.“ Dies bedeutet, dass wir keine Abstriche an Qualität der Weiterbildung machen dürfen, dass wir nicht nur junge Ärzte zur Unfallchirurgie begeistern müssen, sondern auch das Vorbild eines engagierten Unfallchirurgen selbst leben müssen.
Von besonderer Bedeutung ist hier das Einbringen eines jeden von uns in die Struktur des hervorragenden TraumaNetzwerk DGU® und des TraumaRegister DGU®. Mit dieser bundesweit einmaligen Netzwerkstruktur und den daraus zu generierenden Daten wird die Deutsche Unfallchirurgie nicht nur ihre führende Rolle in der Qualität und den Standards der Schwerverletztenversorgung untermauern, sondern auch wesentliche Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen der Unfallversorgungsforschung geben.
Ergänzend zu den Aktivitäten im Traumanetzwerk muss sich die DGU in die von der WHO initiierte „Decade of action for road safty“ einbringen. Dabei gilt es, nicht nur durch Aufklärung und Prävention die Zahl der Verkehrstoten in unserem Land zu senken, sondern insbesondere auch anderen Ländern helfen, die dortige immense Zahl von Verkehrstoten zu reduzieren.
Ein wichtiger Diskussionspunkt wird auch das Problem der vielfältigen Zentrenbildung darstellen, beispielhaft seien hier die „Geriatrischen Zentren“ erwähnt.
Die DGU ist fester Bestandteil der DGOU. Basierend auf den Mitgliederbeschlüssen anlässlich des DKOU 2011 in Berlin sind die neuen Satzungen in Kraft getreten, verbunden mit einer Verschlankung der entscheidenden Gremien. Sehr schnell müssen sich Vorstand, Präsidium und Ausschüsse den drängenden Fragen stellen im Interesse des gemeinsamen Facharztes Orthopädie/Unfallchirurgie. Dies gilt besonders für aktuelle Fragen unserer Weiterbildung unter dem Aspekt von Modulen und Zusatzqualifikationen (z.B. Spezialisierung in den Bereichen Wirbelsäule, Notaufnahme, konservative Orthopädie/Unfallchirurgie). Ein weiteres Arbeitsfeld ist das Einbringen unserer Fachgesellschaft in den Umstrukturierungsprozess der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) hin zu einem Dachverband. Ebenso gilt es, die engen Kontakte zu benachbarten Gesellschaften, wie ESTES und EFFORT zu intensivieren.
Auch der letztjährige DKOU hat das ungebrochene Interesse vieler Berufsgruppen an dieser wissenschaftlichen Veranstaltung bestätigt. Ein Dankeschön und Glückwunsch an das Kongress-Team 2011!
Selbstverständlich soll der nächstjährige Kongress weiterhin zum Zusammenwachsen unseres großen Fachgebietes „Orthopädie / Unfallchirurgie“ beitragen und somit die Tradition der letztjährigen Kongresse fortführen. Wie oben erwähnt, haben meine Partner, Professor Andreas Gassen vom BVOU und Professor Wolfram Mittelmeier von der DGOOC und ich das Motto: „Qualität – Ethik – Effizienz“ gewählt. Je einen Kongresstag werden wir schwerpunktmäßig auf einen der drei Punkte ausrichten. Hier sollen unter anderem Fragen, wie Qualitätsindikatoren, das Spannungsfeld zwischen Innovation und Finanzierbarkeit durch das Solidarsystem, aber auch ethische Probleme bei Indikationsstellung und Therapieausweitung, vornehmlich unter dem Aspekt der Ökonomie dargelegt und diskutiert werden.
Darüber hinaus sind die allgemeinen Themen umfassend gesetzt. Damit wollen wir die Möglichkeit bieten, sich den Entwicklungen und Bedürfnissen unseres Fachgebietes zeitnah zu stellen und den Kongress möglichst an aktuellen Fragestellungen auszurichten. Hier ergeht die Bitte an Sie: Beteiligen Sie sich aktiv, sei es durch Abstract-Einreichungen, oder auch durch einfache Anregungen und Ideen!
Bewährt als Einstieg zu dem Kongress hat sich der Dienstag als „Spezialitätentag“, ebenso der Freitag als „Kongressende“. Eingeleitet wird jeder Kongresstag durch die bewährten Kurse, die entsprechend der Akzeptanz und des Zuspruches aktualisiert und ggf. durch neue Kursformate ergänzt werden. Einen deutlichen Schwerpunkt legen wir auf die Grundlagenforschung, die den Motor der Entwicklung und die Grundlage der Konkurrenzfähigkeit unseres Fachgebietes darstellt. Nur Fachgebiete, die im Bereich der experimentellen-, klinischen- und Versorgungsforschung sich profilieren und weiterentwickeln haben eine Zukunft und können die Medizin mit gestalten und bestimmen.
Von Seiten der klinischen Themen liegt mir insbesondere das „Polytrauma“ am Herzen. Gerade unter dem Aspekt der aktuellen S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletztenbehandlung sowie sich den veränderten Strukturen in unseren Krankenhäusern (Notaufnahmen, Intensivstationen) müssen wir uns diesem Thema mit einem besonderen Engagement widmen, um hier unserem Anspruch als „Trauma-Leader“ gerecht zu werden. Ähnliches gilt für den Bereich der Infektionen und der septisch-rekonstruktiven Chirurgie, die eine immer größere Bedeutung erlangen und regelhaft hohe Anforderungen an unser chirurgisches Können stellen, aber andererseits die doch im Vergleich zu verschiedenen anderen Bereichen, wie Wirbelsäule, Prothetik und Arthroskopie an Attraktivität und Reputation leiden.
Aktuelle Fragen aus der Gesundheits- und Berufspolitik werden selbstverständlich ihren Raum finden, wobei wir hier für Anregungen aus dem Kreis unserer Mitglieder offen sind.
Ein Fachgebiet als auch eine Fachgesellschaft können sich nur weiterentwickeln, wenn sie sich dem internationalen Dialog und Erfahrungsaustausch öffnet. Deshalb wird es weiterhin internationale, englischsprachige Sitzungen geben, die wir möglichst mit Referenten aus dem Ausland, insbesondere den Gastländern, besetzten wollen.
Selbstverständlich werden wir entsprechend der Tradition dieses Kongresses auch andere Berufsgruppen in das Kongressprogramm einbinden. Neben der Physiotherapie wollen wir aber die gesamte Pflege ansprechen, nicht nur den OP-Bereich.
Von entscheidender Bedeutung für die Lebendigkeit eines Kongresses, aber auch einer Fachgesellschaft ist, dass alle Gruppierungen unseres Fachgebietes vertreten sind, ob niedergelassene oder stationär tätige Ärzte, Kollegen aus Industrie und Öffentlichem Dienst, Kollegen, die ihre Weiterbildung begonnen haben, oder schon als Fachärzte tätig sind, gleichgültig ob Assistenzarzt oder Arzt in leitender Funktion. Unverändert ist es ein besonderes Anliegen engagierten Nachwuchs für unser Fachgebiet zu gewinnen und zu begeistern. Aber angesichts der demographischen Entwicklung, nicht nur unserer Gesellschaft, sondern auch unseres Fachgebietes, wird es zunehmend ein ebenso wichtiges Thema sein, auf die Bedürfnisse und Perspektiven des „älteren Chirurgen“ einzugehen.
Somit hoffen wir, dass die vorgesehene Programmgestaltung dem wandelnden Charakter dieses Kongresses als „multifunktionale Veranstaltung“ Rechnung trägt und Ihren Erwartungen gerecht wird, nämlich eine Veranstaltung zu sein, die nicht nur fortbildet, sondern kritische Fragen diskutiert, Meinungen äußert, Standards setzt und neue Perspektiven aufweist.
Unter der Zielsetzung, Qualität und Ethik mit effizientem Handeln zu verbinden, möchte ich Sie bitten, sich aktiv an der Gestaltung unseres Kongresses 2012 zu beteiligen.
Zuletzt darf ich Sie erinnern, dass Vortragsanmeldungen bis zum 15.01.12 zu erfolgen haben. Wir wissen, dass dies die erste große Aufgabe des Neuen Jahres sein wird und wir würden uns freuen, wenn Sie, oder / und auch Ihre Mitarbeiter sich dieser Herausforderung erneut stellen und durch zahlreiche Anmeldungen nicht nur ihr Engagement für unser Fachgebiet belegen, sondern auch aktiv an der Programmgestaltung mitwirken.
Im weiteren Jahresverlauf werde ich an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen Ihnen weiteres Wissenswertes und Neues berichten. Ihre Anregungen, Meinungen, insbesondere auch Kritik werde ich offen entgegen nehmen und verbleibe
mit herzlichen Grüßen
Ihr
Christoph Josten