„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Pressemitteilung

DGU gedenkt ihrer jüdischen Mitglieder

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) gedenkt auf dem diesjährigen Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) ihrer jüdischen Mitglieder. Anlass ist der 80. Jahrestag der Machtübernahme des nationalsozialistischen Regimes am 30. Januar 1933.

Die Ehrung erfolgt zu Beginn der Mitglieder-Versammlung und wird vorgenommen durch Professor Dr. Reinhard Hoffmann, Präsident der DGU. „Den vom nationalsozialistischen Regime entrechteten, verfolgten, zum Teil ermordeten, in der Nachkriegszeit in Vergessenheit geratenen Kollegen sollen hiermit die Rechte und die Anerkennung unserer Gesellschaft wiedergegeben werden“, betont Hoffmann.

Langjährige Nachforschungen notwendig
Die damalige Deutsche Gesellschaft für Unfallheilkunde, Versicherungs- und Versorgungsmedizin e.V. (DGU) hat durch Kriegs- und Nachkriegseinwirkungen alle ihre dokumentarischen und vereinsrechtlichen Unterlagen verloren. Insbesondere verfügte sie nicht einmal mehr über Mitgliederverzeichnisse und andere Geschäftspapiere. Im Unterschied zu anderen Gesellschaften konnte auch nicht auf Rückkehrer und deren Gedächtnisschatz zurückgegriffen werden. „Gleichwohl hat sich die DGU seit vielen Jahren bemüht, Licht in das Dunkel zu bringen, und dies umso mehr, als bekannt war, dass ihr Präsident von 1930, Paul Jottkowitz, zu den Verfemten gehörte, obwohl er bereits viele Jahre vor Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft seine Religionsgemeinschaft verlassen hatte“, weiß Professor Dr. Jürgen Probst, Leiter der DGU-Arbeitsgemeinschaft Geschichte der Unfallchirurgie und federführend bei der Recherche zum Gedenken an die jüdischen Mitglieder.

Vergangenen zehn Jahre entscheidend
Erst mit der Einrichtung staatlicher, kommunaler beziehungsweise wissenschaftlicher Kommissionen und Gremien, die „amtlichen“ Zugriff auf zum Teil verschüttete Quellen hatten, gelang es, durch Abgleich bruchstückhafter, manchmal vager Überlieferungen nach und nach den größten Teil der verfolgten Mitglieder hinreichend dokumentarisch gesichert aufzufinden. Das ermittelte Schriftmaterial, auch einige wieder aufgefundene Mitgliederverzeichnisse, ist meistenteils erst in den letzten zehn Jahren verfügbar geworden. „Da es sich bei dem Schicksal unserer verfolgten Mitglieder um ein historisch besonders sensibles, auch in die Zukunft wirkendes Thema handelt, ist es der geschichtlichen Wahrheit verpflichtet, keine unbelegten Behauptungen nur um der Tagesaktualität willen – oder um sich einer unbequemen Aufgabe zu entledigen – aufzustellen“, erklärt Probst.

Weiterführende Informationen: „Gedenken der jüdischen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Unfallheilkunde, Versicherungs- und Versorgungsmedizin“ von Prof. Dr. Jürgen Probst, erschienen in „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ (OUMN), Ausgabe Oktober 2013

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