„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Pressemitteilung zum DKOU

DKOU 2017: Unfallchirurgen trainieren den Einsatz bei Terroranschlägen

Terroranschläge stellen Sanitäter, Ärzte und Pflegekräfte vor die Herausforderung, eine große Zahl Schwerverletzter in kürzester Zeit zu behandeln und dabei möglichst viele Leben zu retten. Deutsche Krankenhäuser müssen ihre Einsatzpläne und Vorhaltungen für diese Terrorszenarien anpassen und dabei von der Politik unterstützt werden, so fordern Experten. Ein Kurs der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), der im Mai dieses Jahres gestartet ist, soll Ärzten und damit den Kliniken helfen, sich auf die Notversorgung von Patienten im Falle eines terroristischen Anschlags vorzubereiten. Weitere logistische und personelle Vorbereitungen für einen Terrorfall wurden kürzlich auf der 2. Notfallkonferenz der DGU gemeinsam mit der Bundeswehr thematisiert und diskutiert. Über erste Erfahrungen mit dem Kursprogramm und Konsequenzen für die Krankenhauseinsatzpläne berichteten Experten bei der heutigen Pressekonferenz im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2017.

© DGOU / DKOU 2017

Anders als etwa bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn, sind bei Attentaten oft viele Menschen, manchmal an mehreren Anschlagsorten, lebensgefährlich verletzt. Die Gefahrensituation am Ort des Anschlages ist zudem nur schwer kalkulierbar und nicht sicher, sodass sich auch Notärzte, Sanitäter und andere Helfer in Gefahr begeben könnten und für diese Situationen geschult werden müssen. Daher entscheidet die Polizei bei einer Terrorlage und nicht der Rettungsdienst oder die Feuerwehr, wie sonst üblich. Hinzu kommt der Zeitdruck: „Opfer, die durch Bomben oder Schusswaffen verletzt wurden, verbluten oftmals innerhalb kürzester Zeit“, sagt Prof. Dr. Ingo Marzi, Kongresspräsident des DKOU 2017. In Deutschland kämen solche Verletzungen im klinischen Alltag glücklicherweise selten vor, sodass die praktische Erfahrung dafür gering ist. „Personal an unfallchirurgischen Kliniken sollte das Verhalten im Falle eines Terroranschlags deshalb trainieren und einen Krisenplan entwickeln, der sowohl am Anschlagsort als auch im Krankenhaus für optimale Abläufe und die richtigen medizinischen Entscheidungen sorgt“, betont Marzi. Genau diese Aspekte wurden am 27. September 2017 während der 2. Notfallkonferenz der DGU in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, Polizei und Sicherheitsdiensten ausführlich diskutiert. Dabei wurden auch die Erfahrungen aus Anschlagsregionen im Ausland und Anpassungen von prä- und innerklinischen Abläufen thematisiert.
 
Um Unfallchirurgen an deutschen Krankenhäusern auf die anspruchsvollen Maßnahmen bei der Versorgung von Terrorverletzten vorzubereiten, hat die DGU im Mai dieses Jahres den Kurs „Terror and Disaster Surgical Care“ (TDSC®) auf den Weg gebracht. Kern des Kurses sind Strategieübungen und Simulationsspiele, in denen Unfallchirurgen lernen, eine Vielzahl von akut lebensbedrohlich verletzten Patienten ihren Verletzungen entsprechend zu kategorisieren und anschließend zu priorisieren, wer wann welche Operation und oder Versorgung bekommt. „Hier gilt die wesentliche Maxime ‚life before limb‘, also dass lebensgefährliche Verletzungen Vorrang vor anderen schweren Verletzungen, wie etwa Extremitätenverletzungen haben“, betont Prof. Dr. Benedikt Friemert, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie (AG EKTC) der DGU. „Unfallchirurgen müssen im Katastrophenfall andere Prioritäten setzen als in der Regelversorgung. Der Kurs übt das Umdenken in der Terrorlage. Auch wenn wir hoffen, dass es nicht nötig sein wird, wollen wir vorbereitet sein, um im Ernstfall möglichst viele Patienten bestmöglich zu behandeln“, betont der Ulmer Experte. Auch organisatorische Inhalte, wie etwa ein Krisenplan im Terrorfall, stehen auf dem Programm.
 
Der Kurs wurde von der Arbeitsgemeinschaft Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie der DGU in enger Zusammenarbeit mit der AUC - Akademie der Unfallchirurgie und dem Sanitätsdienst der Bundeswehr entwickelt. An dem Kurs und der 2. Notfallkonferenz der DGU zur Vorbereitung auf mögliche Terroranschläge haben bisher über 200 Ärzte teilgenommen. Über die ersten Erfahrungen berichten Unfallchirurgen auf dem DKOU 2017.

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