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Telemedizin

TIRA: Virtuelle Visite verbessert Reha-Planung

In Aachen ist im April 2013 das deutschlandweit einzigartige Projekt TIRA (Telemedizinische intersektorale Rehabilitationsplanung in der Alterstraumatologie) gestartet. Ziel ist es, die Behandlung und Rehabilitation älterer Menschen, insbesondere nach Knochenbrüchen, zu verbessern.

© Universitätsklinikum Aachen

Mit dem Teilprojekt TIRA bekommt das im August 2012 unter dem Motto „Innovation trifft Kompetenz“ gegründete Telemedizinzentrum Aachen neben dem bereits seit Jahren etablierten Tele-Notarzt (Telemedizinisches Rettungsassistenzsystem TEMRAS) und einer Tele-Intensivstation eine dritte Säule. Dabei arbeiten Akut- und Rehabilitationsmediziner interdisziplinär zusammen, um die individuellen Ansprüche und Fähigkeiten des einzelnen Patienten bereits vor der Verlegung, aber auch während des Verlaufs der Behandlung besser berücksichtigen zu können.

„Auch eine enge zeitliche und inhaltliche Vernetzung der behandelnden Ärzte trägt dazu bei, Rückverlegungen von Patienten in Akutkliniken zu vermeiden“, erklärt Projektleiter Prof. Hans-Christoph Pape (links im Bild), Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Aachen. Denn insbesondere für ältere Menschen sei es besonders wichtig, dass sie möglichst wenig hin- und hertransportiert werden. „Außerdem können Patienten so ohne längere Reisewege wohnortnah betreut werden.“

Die Basis für die telemedizinische Betreuung bildet die elektronische Fallakte (EFA), in der die am Behandlungsprozess beteiligten Ärzte alle relevanten Daten wie Befunde, OP-Berichte, Röntgenbilder, komplexe Verlaufskurven und vieles mehr speichern und beispielsweise vor Ort auf dem iPad abrufen können. Die digital erfassten Informationen über den Patienten sind hierdurch für die behandelnden Ärzte transparenter und, bei Zustimmung des Patienten und Arztes, generell von fast jedem beliebigen Ort aus weltweit abrufbar. Bereits im Krankenhaus können Chirurgen und Rehabilitationsmediziner so gemeinsam den für den jeweiligen Patienten optimalen Reha-Aufenthalt planen.

Dem Reha-Arzt digital über die Schulter schauen

Neben einer telemedizinischen Konsultation des Chirurgen per Videokonferenz, einem gemeinsamen Einblick in die Krankenakte und Video-Analysen, um Bewegungsmuster festzuhalten, soll zukünftig auch eine Visite am Videowagen möglich sein. So kann der Arzt im Uniklinikum dem behandelnden Reha-Arzt bei der Untersuchung des Patienten digital über die Schulter schauen und auch dem Patienten Fragen stellen.

Bei Komplikationen während des Reha-Aufenthaltes kann so eine Diagnose am virtuellen Krankenbett erfolgen: „Wenn beispielsweise eine Wunde nicht gut heilt, kann der Arzt im Reha-Klinikum den Patienten mit einem Videowagen aufsuchen und sich vom Kollegen des Uniklinikums live und digital über die Schulter sehen lassen“, sagt Projektmitarbeiter Dr. Philipp Lichte. „Sie können gemeinsam und zeitgleich in die Patientenakte schauen, die Komplikation erörtern und möglicherweise gleich therapieren.“ Hierdurch entsteht kein Zeitverlust, Patient und Mediziner könnten an Ort und Stelle bleiben. Außerdem lässt sich so schon im Vorfeld eine Therapie individueller planen. „Gerade bei alten Patienten gibt es große individuelle Unterschiede im Krankheitsverlauf“, sagt Lichte. Diese fänden aber bislang im Vorfeld einer Reha zu wenig Beachtung.

Universitäre Spitzenmedizin auch in ländliche Umgebung bringen

Am Telemedizinzentrum Aachen ist die elektronische Fallakte bereits seit Monaten im Einsatz. Sie wurde unter Mitwirkung mehrerer Landesdatenschutzbeauftragter entwickelt und ist TÜV-zertifiziert, die Verschlüsselung der Audio-Video-Verbindung erfolgt auf technisch höchstem Standard. Die Einführung des Videowagens in der Unfallchirurgie ist im Rahmen des Forschungsprojekts TIRA für nächstes Jahr geplant. „Dank all der audiovisuellen Techniken können auch in kleineren regionalen Kliniken nachts und am Wochenende Experten der Uniklinik zur Verfügung stehen“, erklärt Prof. Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Sprecher des Aachener Telemedizinzentrums. Mit den Möglichkeiten des audiovisuellen Austauschs über die Gesundheit des Patienten könne universitäre Spitzenmedizin auch in die ländliche Umgebung gebracht werden. Zurzeit kooperiert das Telemedizinzentrum mit zwei Aachener Rehabilitations-Einrichtungen.

In den USA sind Telemedizinzentren in der Regelversorgung bereits gängige Praxis. „Dortige Studien zeigen, dass die Liegedauer und Sterblichkeit der Patienten auf Intensivstationen sich reduzieren“, berichtet Marx.

Das Projekt TIRA wird zunächst über drei Jahre vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in Nordrhein-Westfalen gefördert. Projektpartner sind die Reha-Klinik Schwertbad, das Luisenhospital Aachen sowie die Firma Healthcare IT-Solutions und T-Systems, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Universitätsklinikums Aachen und T-Systems.

Miriam Buchmann-Alisch/DGU

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