„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Bei Unfall, Erdbeben, Massenpanik oder Terroranschlag richtig handeln

TraumaNetzwerke garantieren flächendeckende Notfallversorgung im Ernstfall

Große Naturereignisse wie Erdbeben, Tsunamis oder Flutkatastrophen, aber auch terroristische Anschläge oder Amokläufe stellen an Unfallchirurgen, Orthopäden und Rettungspersonal hohe Anforderungen. Optimale Vernetzung, klar definierte Ablaufpläne und regelmäßige Übungseinsätze sollen helfen, auch auf außergewöhnliche Ereignisse mit vielen Verletzten und Schwerverletzten schnell und umfassend zu reagieren. Wie die Katastrophenmedizin auf Großschadensereignisse vorbereitet ist und welche Rolle dabei die TraumaNetzwerke spielen, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz am 27. Oktober 2011 im ICC Berlin anlässlich des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie 2011 (DKOU).

In Deutschland werden jährlich etwa bis zu 35 000 Menschen bei Verkehrs-, Arbeits- oder Freizeitunfällen schwer verletzt. Bis zu zweimal im Jahr kommt es zu so genannten Großschadensereignissen, bei denen mindestens zehn bis zu 100 Tote zu beklagen sind und 50 bis 100 Verletzte rasch versorgt werden müssen. Ein solcher Massenanfall an Verletzten (MANV) ist eine besondere Herausforderung für Unfallchirurgen, Katastrophenmediziner, Anästhesisten, Rettungsassistenten und Angehörige der Bundeswehr. „Auch auf größere Ereignisse mit 500 Verletzten sind wir gut vorbereitet. Dazu hat neben den hochtechnisierten Rettungssystemen die Schaffung der TraumaNetzwerke der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) beigetragen“, erklärt Professor Dr. med. Tim Pohlemann, Präsident der DGU, im Vorfeld des DKOU. „Die dadurch effizientere schnelle chirurgische Versorgung von leicht- bis schwerstverletzten Unfallopfern konnte in den letzten Jahren die Gesamtzahl der Todesfälle nach Unfällen senken.“ 

Ziel der mittlerweile 55 TraumaNetzwerke in Deutschland ist es, durch ihre ausgeklügelte Vernetzungsstruktur die Behandlungsqualität zu sichern und zugleich die schnelle Versorgung der Patienten zu optimieren. In den Netzwerken sind Kliniken zusammengefasst, die über spezifische Ausstattungsmerkmale verfügen. Dazu gehören ein Hubschrauberlandeplatz, ein eigener Schockraum und eine Blutbank. Darüber hinaus müssen sie sicherstellen, dass sie ihre hohen fachlichen Leistungen der chirurgischen Notfallbehandlung rund um die Uhr garantieren können. Entsprechend ihrer Ausstattung und Struktur übernehmen die einzelnen Kliniken unterschiedliche Aufgaben innerhalb des Netzwerkes als überregionale, regionale oder lokale Traumazentren. Stellen Kliniken diese Anforderungen bereit, können sich von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifizieren lassen. „Obwohl wir schon sehr erfolgreich sind, ist der weitere Ausbau der TraumaNetzwerke wichtig. Denn diese gewährleisten eine optimale chirurgische Notfallbehandlung, gerade wenn wir es mit vielen Verletzten zu tun haben “, betont Pohlemann. Er richtet gemeinsam mit dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Professor Dr. med. Dieter M. Kohn und dem Vizepräsidenten des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), Professor Dr. med. Karsten Dreinhöfer, den DKOU 2011 aus. 

Probleme bei Katastrophenfällen sieht Professor Dr. med. Christoph Josten, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie in Leipzig, nicht in den medizinischen Versorgungskapazitäten. Diese hätte sich durch die nun fast flächendeckend ausgebreiteten TraumaNetzwerke deutlich verbessert. Schwierig werde es, wenn auch die Infrastruktur durch ein Ereignis beschädigt sei: „Hier fehlt es an einer richtigen Vorbereitung, die im Vorfeld die Kompetenzbereiche aller an der Katastrophenmedizin Beteiligter festlegt“, so Josten. Bei kreis- und länderübergreifenden Ereignissen sei noch immer mit Abstimmungsproblemen zu rechnen. 

Welche Strategien helfen, um Katastrophenopfer optimal zu behandeln, ist Thema auf einer Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie 2011 am Donnerstag, dem 27. Oktober von 11 bis 12 Uhr in der Funkturm-Lounge des ICC Berlin. Außerdem informieren Experten auf der DKOU-Pressekonferenz am Mittwoch, dem 26. Oktober 2011, über die Entwicklung des TraumaNetzwerks in Deutschland und ob eine flächendeckende Notfallversorgung möglich ist. 

Der DKOU findet vom 25. bis 28. Oktober 2011 in Berlin als gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) statt. Er ist der größte europäische Kongress in diesem Bereich, zu dem etwa 12.000 Fachbesucher erwartet werden. Experten diskutieren hier die neuesten Entwicklungen in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Themen reichen von der Schwerverletztenversorgung, den Strukturen der Notaufnahmen und der Katastrophenmedizin über Implantatversorgung und Rehabilitation bis hin zu rheumatischen und degenerativen Erkrankungen sowie Osteoporose.

Pressekontakt DKOU:

Pressearbeit

Anne-Katrin Döbler, Christina Seddig

Pressestelle DKOU 2011
Pf 20 11 30, 70451 Stuttgart

Tel.: 0711 8931 442
Fax: 0711 8931 167
E-Mail: Seddig@medizinkommunikation.org
Internet: www.dkou.de 

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