„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates steigen weltweit rasant an:

Erste Ergebnisse zur WHO-Bone and Joint Decade auf dem DKOU

Deutsche Medizinstudenten lernen zu wenig über orthopädische und

unfallchirurgische Zusammenhänge: Während in Deutschland bereits 30 Millionen Menschen

an Erkrankungen und Verletzungen des Haltungs- und Bewegungsapparates leiden, machen

Lehrinhalte dieser Fachrichtung unter sechs Prozent des gesamten Lernstoffs eines

Medizinstudiums aus. Die von der WHO im Jahre 2000 entwickelte Initiative „Bone and Joint

Decade 2000-2010“ (BJD) sollte den weltweit rasanten Anstieg an muskuloskeletalen

Erkrankungen und Verletzungen stoppen und Lehre und Forschung international weiter

ausbauen. Auf dem Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom 25.

bis 28. Oktober 2011 berichten Experten über erste Ergebnisse der Dekade und ihre

Fortführung bis 2020.

„Für eine weltweit effiziente Versorgung von Menschen mit muskuloskeletalen Erkrankungen und Verletzungen ist eine gute internationale Vernetzung von Experten und Patienten eine wichtige Voraussetzung“, sagt Professor Dr. med. Karsten Dreinhöfer, nationaler Koordinator der Bone and Joint Decade und Tagungspräsident des DKOU. 750 Fach- und Patientengesellschaften und 96 Regierungen haben daher zu Beginn der WHO-Initiative BJD ihre Unterstützung angeboten. Ziel der Initiative war es, die Ressourcen in den Gesundheitssystemen für Prävention und Behandlung betroffener Patienten effizienter zu nutzen sowie die Erforschung der Ursachen und Therapiemöglichkeiten vermehrt zu fördern. „Wir konnten zwar erste gemeinsame Präventions-, Diagnose-, Therapie- und Rehabilitationsstrategien entwickeln“, resümiert Dreinhöfer. „Doch viele Projekte sind noch nicht abgeschlossen und benötigen weitere Zusammenarbeit."

Aktuelle Untersuchungen in Europa zeigen massive Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern im Hinblick auf die Erkrankungshäufigkeiten, die Versorgungsdichte und die Ergebnisse. Aber nicht nur in den Industrienationen steigen die Erkrankungen des Bewegungsapparates rapide an. Da in Schwellen- und Entwicklungsländern die Menschen zunehmend älter werden, wächst auch dort das Risiko für degenerative Erkrankungen. In Brasilien beispielsweise leiden zwei Drittel der über 60-Jährigen an einer muskuloskeletalen Erkrankung. Verkehrsunfälle, die in den Industrienationen rückläufig sind, sind in diesen Ländern ein weiteres großes Gesundheitsproblem. „Ziel muss es sein, die Zahl der in vielen Ländern noch schnell ansteigenden Verkehrstoten in den nächsten 10 Jahren zu halbieren“, erklärt Professor Dr. med. Tim Pohlemann, DKOU-Tagungspräsident und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). In diesem Jahr hat die WHO eine Dekade zur Straßenverkehrssicherheit (Road Safety Decade) 2011-2020 ausgerufen, um sich speziell dem drängenden Problem der Globalen Verkehrssicherheit zu widmen. Während des DKOU werden zu dieser Thematik spezielle Sitzungen abgehalten. Auch in anderen Bereichen hat sich viel zum Guten entwickelt. So haben erstmals europäische Patienten- und Fachorganisationen gemeinsame Leitlinien verfasst und im Bereich der Versorgung von Patienten mit osteoporotischen Knochenbrüchen wurden multidisziplinäre Behandlungskonzepte entwickelt, die eine bessere Überlebenswahrscheinlichkeit und Widerherstellung der Funktionsfähigkeiten versprechen.

Doch trotz dieser Erfolge, besteht noch großer Handlungsbedarf: Insbesondere in Forschung, Lehre und Versorgung sehen Experten zu wenig Bewegung. Die großen Volkskrankheiten Rückenschmerzen, Gelenkerkrankungen, Osteoporose, und Knochenbrüche sowie Sport- und Unfallverletzungen verursachen bereits heute 40 Prozent aller Arbeitsunfähigkeiten und Frühberentungen. Diese steigenden volkswirtschaftlichen Kosten der Erkrankungen stehen in keinem Verhältnis zu den bisherigen Forschungsinvestitionen in diesem Bereich. Die weitere demographische Entwicklung wird diese Probleme noch verschärfen. „Um die steigende Patientenzahl fachgerecht versorgen zu können, ist ein wachsender Bedarf an orthopädisch-unfallchirurgischen Kenntnissen dringend notwendig. Im Durchschnitt machen aber muskuloskeletale Lehrinhalte weniger als sechs Prozent der Lehrinhalte für Medizinstudenten aus“, betont Professor Dreinhöfer. In der Vorab-Pressekonferenz am 18. Oktober informieren die Tagungspräsidenten des DKOU 2011 über aktuelle Entwicklungen in der Orthopädie und Unfallchirurgie sowie neueste Erkenntnisse im gemeinsamen Fach.

Die Verantwortlichen der BJD beschlossen daher im vergangenen Jahr eine Fortführung der Dekade um weitere zehn Jahre, um Projekte weiterzuführen und noch bestehende Defizite in Forschung, Versorgung und Gesundheitsbewusstsein der Patienten voranzubringen. Auf dem DKOU vom 25. bis 28. Oktober 2011 in Berlin informieren Experten über bisherige Ergebnisse und künftige Projekte zu Präventionsmaßnahmen, Versorgungskonzepte und Rehabilitationsverfahren. Zudem bieten die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) umfangreiche Informationsveranstaltungen für Nachwuchskräfte an. Am „Tag der Studierenden“, der am 27. Oktober 2011 auf dem DKOU stattfindet, können sich Medizinstudenten darüber hinaus über das gemeinsame Fach Orthopädie und Unfallchirurgie informieren. 

Der DKOU findet vom 25. bis 28. Oktober 2011 in Berlin als gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) statt. Er ist der größte europäische Kongress in diesem Bereich, zu dem etwa 12.000 Fachbesucher erwartet werden. Experten diskutieren hier die neuesten Entwicklungen in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Themen reichen von der Schwerverletztenversorgung, den Strukturen der Notaufnahmen und der Katastrophenmedizin über Implantatversorgung und Rehabilitation bis hin zu rheumatischen und degenerativen Erkrankungen sowie Osteoporose. 

Pressekontakt DKOU:

Pressearbeit

Anne-Katrin Döbler, Christina Seddig

Pressestelle DKOU 2011
Pf 20 11 30, 70451 Stuttgart

Tel.: 0711 8931 442      
Fax: 0711 8931 167
E-Mail: Seddig@medizinkommunikation.org
Internet: www.dkou.de   

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