„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Erstes Bundesland übernimmt Kosten für Schulungen

Vorbereitet auf den Ernstfall im Saarland

Prof. Dr. Tim Pohlemann © Koop / UKS

Das Saarland finanziert die medizinische Vorbereitung auf einen möglichen Terroranschlag. Das Gesundheitsministerium übernimmt Teilnahmekosten für die beiden Kurse Terror and Disaster Surcical Care (TDSC®) und Definitive Surgical Trauma Care (DSTC™) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Im Herbst steht eine landesgestützte Notfallübung an, bei der auch die Kliniken beteiligt und finanziell unterstützt werden. Damit tragen die Forderungen der DGU an die Politik Früchte, die deutsche Unfallchirurgie bei dieser Art der Daseinsvorsorge zu unterstützen. Auf Initiative von Professor Dr. Tim Pohlemann fand vom 10. bis zum 14. April 2018 am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) erstmalig eine Schulungskombination aus TDSC® und DTSC™ für die taktische und chirurgische Vorbereitung saarländischer Chirurgen auf den Ernstfall statt. Der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des UKS und ehemalige DGU-Präsident von 2010 berichtet im Interview über die Erfolge in der Zusammenarbeit mit der Landesregierung.

Wie kommt die Unterstützung der saarländischen Kliniken seitens der Politik zustande?
Das TraumaNetzwerk Saar-(Lor)-Lux-Westpfalz kümmert sich seit seiner Inauguration im Jahr 2006 um die Schnittstellen zu den landesweiten Institutionen – so auch zum Sozialministerium. Die jetzige Initiative der Landesregierung zur Vorbereitung auf einen terroristischen Ernstfall geht auf eine Anregung durch unsere Klinik aus dem letzten Jahr zurück. Das für Katastrophen zuständige Ministerium für Inneres, Bauen und Sport hat dabei die Notwendigkeit erkannt, die Kliniken als chirurgische Versorger in die Vorbereitungen und auch Übungsszenarien aufzunehmen. Staatssekretär Christian Seel hat umgehend die Task Force „Terrorassoziierte Sonderlagen“ ins Leben gerufen, in der neben allen Behörden und Organisationen mit Sicherungsaufgaben (BOS) auch das Traumanetzwerk Saar-(Lor)-Lux-Westpfalz und die Bundeswehr berücksichtigt sind.

In diesem Gremium haben Sie dann ein Mitentscheidungsrecht?
Die einzelnen Traumanetzwerke der Initiative TraumaNetzwerk DGU® sind derzeit rein „private“ Initiativen der DGU und deren Mitglieder. Sitz, Stimme und Verantwortung in dem landesweiten Gremium der Task Force sind ein Fortschritt und Erfolg für die politische Wahrnehmung und Anerkennung unserer Arbeit. Derzeit versuchen wir eine institutionelle Ansprechbarkeit zu organisieren, damit wir im Rahmen eines Bereitschaftsdienstes rund um die Uhr eine beratende Funktion in Sonderlagen übernehmen können.

Ihr Engagement hat sich zudem monetär ausgezahlt.
Ja, unsere Mitarbeit in diesem Gremium führte dann auch zur finanziellen Zuwendung für die Schulungen durch das Sozialministerium unter der Verantwortung von Herrn Staatssekretär Stephan Kolling.

Über wieviel Geld reden wir?
Wir haben eine Zuwendung in Höhe von 25.000 Euro erhalten.

Wie viele Ärzte konnten von diesem Beitrag geschult werden?
Wir haben 14 saarländische Chirurginnen und Chirurgen in den Bereichen Taktik der Triage und Versorgungssteuerung im Krankenhaus sowie in speziellen chirurgischen Fertigkeiten zur Versorgung von Schuss-, Stich- und Explosionsverletzungen schulen lassen. Unser Klinikum hat darüber hinaus die Kosten für einen weiteren Arzt übernommen. Bei der fünftägigen Schulung am UKS wurden erstmals die beiden Kurse TDSC® und DSTC™ miteinander kombiniert. Dabei haben wir Ärzte aus den beiden überregionalen Traumazentren UKS und Klinikum Saarbrücken eingebunden. Aufgrund ihrer geographischen Lage nahmen zudem Ärzte des regionalen Traumazentrums Kliniken Saarlouis und des lokalen Traumazentrums St. Wendel teil.

Wird die Unterstützung dauerhaft sein?
Wir haben die Förderzusage für eine zweite Doppelschulung erhalten, damit wir im Herbst Ärzte aus weiteren Traumazentren unseres Traumanetzwerks schulen können. Unsere Klinik wird dann die Kosten für zwei weitere Ärzte übernehmen. Zudem hat das Sozialministerium uns gegenüber und auch auf der Pressekonferenz am 11. April 2018 anlässlich der erstmaligen Schulungskombination bekräftigt, dass die Schulungsmaßnahmen von nun an dauerhaft notwendig seien, um den Kenntnisstand flächendeckend zu halten.

Welcher Erfolg ist Ihnen im Hinblick auf die für September geplante Notfallübung gelungen?
Die anstehende landesweite Übung endet nicht vor der Krankenhaustür, sondern integriert die Abläufe in der Klinik. Dafür wurden die bereits bestehenden Planungsszenarien aufgrund unserer Argumente entsprechend geändert. Das Ministerium unterstützt die beteiligten Kliniken mit 100.000 Euro, um die Kosten für die Stilllegung des Regelbetriebes aufzufangen. Erleichtert wurde das durch die im Jahr 2016 erfolgte Neufassung der Krankenhausalarmplanverordnung, die jährliche Übungen verpflichtend vorsieht.

Würden Sie sagen, das Saarland ist beispielhaft bei der flächendeckenden Vorbereitung der Krankenhäuser für den Ernstfall?
Ganz wesentlich hing das bisher Erreichte vom persönlichen Kontakt zu den politischen Vertretern und der schnellen Umsetzung durch die Staatssekretäre ab. Durch die speziellen Rahmenbedingungen könnte das Saarland durchaus als Modellregion für die Umsetzung in der ganzen Bundesrepublik dienen.

Artikel versenden

artikel-versenden

Felder
http://www.dgu-online.de/news-detailansicht/vorbereitet-auf-den-ernstfall-im-saarland.html
captcha
Senden