„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Audit von Pilotkliniken

Sinn und Hintergrund unfallchirurgisch-geriatrischer Zusammenarbeit

Der Nutzen einer unfallchirurgisch-geriatrischen Zusammenarbeit bei der Behandlung des Alterstraumas unmittelbar perioperativ und einer frühzeitig einsetzenden multidiziplinären Rehabilitation kann nicht mehr ernsthaft bestritten werden. Entsprechend wurden in den vergangenen Jahren in vielen Ländern unterschiedliche Versorgungsmodelle unfallchirurgisch-geriatrischer Kooperation etabliert. Hier reicht das Spektrum von einer inzwischen orthogeriatrischen Tradition in England seit Ende der 1950er Jahre bis hin zur vergleichsweise jungen und vereinzelten, teilweise zertifizierten Zentrenbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Gleichwohl besteht keine Einigkeit über die Effizienz verschiedener unfallchirurgisch-geriatrischer Kooperationsmodelle. Hierzu wurde aus der AG heraus eine systematische Literaturübersicht und Metaanalyse zur frühen geriatrischen Mitbehandlung in der Alterstraumatologie erarbeitet und im Deutschen Ärzteblatt publiziert (Buecking B, Timmesfeld N, Riem S, Bliemel C, Hartwig E, Friess T, Liener U, Ruchholtz S, Eschbach D: Early orthogeriatric treatment of trauma in the elderly—a systematic review and metaanalysis. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(15): 255−62. DOI: 10.3238/arztebl.2013.0255).

Offensichtlich wird damit auch die Notwendigkeit entsprechender Versorgungs- und Outcome-Forschung. Hierzu soll die Outcome-Studie „coxale Femurfraktur“ der AG Alterstraumatologie weiteren Aufschluss über den Zusammenhang mit unterschiedlichen Versorgungsmodellen bringen.

Parallel wurde die Auditierung von zunächst 10 Pilotkliniken und deren Kompetenz zur Steigerung von Qualität und Sicherheit in der interdisziplinären Alterstraumatologie durchgeführt. Die Pilotphase des Verfahrens fand ihren Abschluss im Mai 2013. Beide Projekte der AG Alterstraumatologie haben in ihren Inhalten sowie auch für die beteiligten Kliniken eine gemeinsame Schnittmenge.

Abschluss der Pilotphase „Zertifizierung“

Kontroverse Diskussionen belegen immer wieder, dass der Begriff der Zertifizierung nicht durchweg unvoreingenommen und vorbehaltlos angenommen wird. Mit ursächlich sind möglicherweise auch eine gewisse Zertifizierungsmüdigkeit und eine Überhöhung dessen, wofür „Zertifizierung“ steht. Gleichwohl bescheinigt das Interesse unfallchirurgischer Kliniken die Relevanz dieses Projektes: Die interne Liste der Bewerbungen für die Pilotphase musste bei 22 Kliniken zunächst geschlossen werden. Letztlich fand eine Einigung innerhalb der AG auf 10 Pilotkliniken statt – dabei unter anderen auch zwei Universitätskliniken und eine berufsgenossenschaftliche Unfallklinik.

Der Pilotauditierung zu Grunde gelegt wurde nach wie vor der seit 2007 in der AG Altertraumatologie entwickelte Anforderungskatalog, überarbeitet und konsentiert mit der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und dem Bundesverband Geriatrie.

Drei Pilotkliniken waren zum Zeitpunkt des Audits mit ihren Zentren für Alterstraumatologie bereits nach DIN EN ISO zertifiziert. Die aktuell gelebte Qualität oder gar ein qualitätssteigernder Effekt durch das QM-System kann daraus unmittelbar nicht abgeleitet werden. Entsprechend wurden die Kompetenzen fachinhaltlich unfallchirurgisch und geriatrisch durch Fachexperten der beiden Disziplinen auditiert. Sowohl dem Anmeldeverfahren wie auch dem Audit selbst wurden die in Checklisten heruntergebrochenen Inhalte des Anforderungskatalogs und Kompetenzmerkmale zu Grunde gelegt. Das Verfahren erhielt damit zusätzlich Transparenz und Reproduzierbarkeit. Wie für die Auditierung selbst standen auch auf allen Entscheidungsebenen des Pilotverfahrens Vertreter aus der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie zur Verfügung.

Die positiven Rückmeldungen aus den auditierten Pilotkliniken bestätigen durchweg, dass das konstruktiv und inhaltlich auf Augenhöhe geleitete Verfahren als eine positive Verstärkung beim Bemühen um eine interdisziplinäre Verbesserung der Behandlungsqualität erfahren wurde.

Die AUC der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie war auch bereits in der Pilotphase organisatorisch für das Verfahren verantwortlich. Die Evaluation der Pilotauditierungen einschließlich der damit ggf. notwendigen Anpassungen des Anforderungskatalogs soll im Juni 2013 abgeschlossen sein. Die Ergebnisse werden dann dem Präsidium der DGU zur Beschlussfassung im Rahmen der Initiative „Qualität und sicherheit in O und U“ vorliegen. Mit Freigabe des Verfahrens durch die Fachgesellschaft und Vergabe der Zertifikate werden die bereits auditierten Kliniken an den Verfahrenskosten beteiligt.

Mit dem Auditierungsverfahren wird auch die alterstraumatologische Versorgungsforschung verbunden sein. Obligat wird für die teilnehmenden Kliniken die Bearbeitung eines inzwischen konsentierten Kennzahlen-Sets und die Anbindung an ein Modul Alterstraumatologie des DGU-Traumaregisters sein.