„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Kommission für Leitlinien

Aufgabenstellung

Das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) hat 1995 beschlossen, Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Unfallchirurgie zu erarbeiten und hat Prof. Dr. K.M. Stürmer mit deren Ausarbeitung beauftragt. Hintergrund war die Bitte des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen in seinem Sondergutachten 1995 für den Bundesminister für Gesundheit an die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Leitlinien für Diagnostik und Therapie zu entwickeln.

Leitlinien sollen Ärzten, Mitgliedern medizinischer Hilfsberufe, Patienten und interessierten Laien zur Information dienen und zur Qualitätssicherung beitragen. Die Leitlinien basieren auf umfangreichen Literaturrecherchen unter Anwendung der Methoden der Evidence basierten Medizin (EbM) sowie der klinischen Erfahrung der Experten.

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. gibt als Wissenschaftliche Fachgesellschaft Leitlinien für die unfallchirurgische Diagnostik und Therapie heraus.  Die Leitlinien Unfallchirurgie werden von der Leitlinienkommission der DGU ausgearbeitet  und vom Präsidialrat der DGU verabschiedet. In der bisher letzten, 3. Auflage (2001) der Leitlinien Unfallchirurgie sind 18 Leitlinien formuliert und bereits ein erstes Mal novelliert. In Kooperation mit anderen wissenschaftlichen Fachgesellschaften werden zusätzlich Leitlinien auf S3-Niveau zum Polytrauma und zur Thromboseprophylaxe formuliert.

Die offiziellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. sind als Taschenbuch im Thieme Verlag und elektronisch über die Arbeitsgemeinschaft Medizinisch-Wissenschaftlicher Fachgesellschaften (AWMF) publiziert: » http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/ll_chunf.htm#index

Diagnostik und Therapie unterliegen einem ständigen Wandel, so dass auch die Leitlinien regelmäßig überarbeitet werden müssen. Der aktuelle Stand der Leitlinienentwicklung kann beim Herausgeber oder dem Generalsekretär der Gesellschaft erfragt werden. Aktuell werden alle unfallchirurgischen Leitlinien aktualisiert. Dieser Prozess soll bis Anfang 2005 abgeschlossen sein.

Bei allen Leitlinien  ist zu berücksichtigen, dass  Leitlinien nicht in jeder Behandlungssituation uneingeschränkt anwendbar sind. Die Freiheit des ärztlichen Berufes kann (und darf) durch Leitlinien nicht eingeschränkt werden. Leitlinien sind daher Empfehlungen für ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen. Im Einzelfall kann jedoch eine von den Leitlinien abweichende Diagnostik oder Therapie angezeigt sein. Leitlinien berücksichtigen in erster Linie ärztlich-wissenschaftliche und keine wirtschaftlichen Aspekte.

Die unfallchirurgischen Leitlinien sind nach Möglichkeit Checklisten-artig erstellt und sollen kein Ersatz für Lehrbücher oder Operationslehren sein. Daher sind die Leitlinien so kurz wie möglich gehalten. Begleitmaßnahmen wie die allgemeine präoperative Diagnostik oder die Indikation und Art einer eventuellen Thromboseprophylaxe oder Antibiotikatherapie werden nicht im einzelnen beschrieben, sondern sollen Gegenstand gesonderter Leitlinien sein. Die Behandlungsmethoden sind meist nur als kurze Bezeichnung und nicht mit Beschreibung der speziellen Technik aufgeführt.

Die Leitlinien sind so abgefasst, dass sie für die Zukunft Innovationen ermöglichen und auch seltene, aber im Einzelfall sinnvolle Verfahren abdecken. Die Entwicklung des medizinischen Wissens und der medizinischen Technik schreitet besonders auf dem Gebiet der Unfallchirurgie so rasch fort, dass die Leitlinien immer nur den momentanen Stand widerspiegeln. Neue diagnostische und therapeutische Methoden, die in den vorliegenden Leitlinien nicht erwähnt werden, können sich zukünftig als sinnvoll erweisen und entsprechend Anwendung finden.

Die in den Leitlinien aufgeführten typischen Schwierigkeiten, Risiken und Komplikationsmöglichkeiten stellen naturgemäß keine vollständige Auflistung aller im Einzelfall möglichen Eventualitäten dar. Ihre Nennung weist darauf hin, dass sie auch trotz aller Sorgfalt des handelnden Arztes eintreten können und im Streitfall von einem Behandlungsfehler abzugrenzen sind. Es muss immer damit gerechnet werden, dass selbst bei strikter Anwendung der Leitlinien das intendierte Behandlungsergebnis nicht erzielt werden kann.