„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Präsident

Grußwort des DGU-Präsidenten 2017 Prof. Dr. Ingo Marzi

Prof. Dr. Ingo Marzi © Privat

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie 2017 wünsche ich Ihnen und Ihren Familien, Kollegen und Freunden ein gesundes, friedliches und erfolgreiches Jahr 2017!

Bewegung ist Leben heißt das Motto des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) im Oktober dieses Jahres – und bis dahin ist noch viel in Bewegung: persönlich, beruflich und wissenschaftlich.

Persönlich erleben wir Bewegung jederzeit und ohne Ausnahme in unserem Organismus: Subzellulär, Zellmigration, Mikrozirkulation, Kreislauf, Muskelbewegung, Mobilität, beim Untersuchen, beim Operieren... Der Erhalt dieser Bewegungen ist für uns persönlich von essentieller Bedeutung, um in unserem Beruf als Unfallchirurgen erfolgreich tätig sein zu können.

Für unsere Patienten wird von uns Unfallchirurgen der Erhalt der diversen Bewegungen nach Verletzungen oder Erkrankungen erwartet. Auch dies betrifft zahlreiche Aspekte: Beim schwerverletzten Patienten mit Blutverlust und Schockgeschehen ist es unsere erste Aufgabe, Blutungen zu stoppen und den Kreislauf wiederherzustellen, sowohl präklinisch als auch klinisch. Unsere zweite Aufgabe stellt die Wiederherstellung verletzter Strukturen beispielsweise durch Osteosynthese und primäre Geweberekonstruktion dar. Darüber hinaus müssen rekonstruktive, endoprothetische oder plastische Verfahren eingesetzt werden, um auch im Rahmen der Rehabilitation eine bestmögliche Wiederherstellung und Beweglichkeit erreichen zu können.

Die wissenschaftliche Weiterentwicklung vieler auf hohem Niveau etablierter Verfahren im Rahmen fundierter experimenteller und klinischer Studien ist eines der Hauptziele einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft. Gerade hier ist in Zukunft unter den Rahmenbedingungen der öffentlichen Fördermöglichkeiten, der internationalen Konkurrenz und den Anforderungen des Medizinproduktegesetzes auf eine exzellente Forschung mit methodisch einwandfreien Verfahren Wert zu legen.

In diesem Jahr stehen viele Entscheidungen an, die uns betreffen und die wir möglichst mitgestalten sollten. Die zu erwartende Einführung einer gesetzlich geregelten Notfallversorgung sollte unser international respektiertes und erfolgreiches TraumaNetzwerk DGU® inklusive dem TraumaRegister DGU®als Qualitätsmanagement-System mit über 600 beteiligten Kliniken richtungsweisend integrieren. Die Behandlungsverfahren der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, D-Arzt, VAV und SAV sind im Umbruch und stellen einen zentralen Teil unserer täglichen Praxis dar. Auch Spezialaspekte der Traumaversorgung – Verletzungen im Kindes- sowie im Seniorenalter – müssen bestmöglich in unser Versorgungssystem integriert werden, sowohl im niedergelassenen Bereich als auch durch eine Entwicklung dezidierter Zentren. Daher wird die Erarbeitung des Weißbuches Schwerverletztenversorgung 3.0 ein zentrales Thema dieses Jahres.

Zu diesem Themenkomplex kommt die „Aktivierung“ der Katastrophen-Vorhaltung und des Vorbereitet-Seins auf aktuelle Herausforderungen einer wieder unsicherer werdenden Welt hinzu. Die initiierte Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und allen an der Notfallversorgung beteiligten Gruppen und Institutionen muss einerseits eine Weiterqualifikation für Katastrophen-Situationen beinhalten und darüber hinaus die angepasste materielle Aufstockung berücksichtigen. Der AUC – Akademie für Unfallchirurgie bin ich neben dem umfassenden Kurs- und Registermanagement auch hier für die proaktive Organisation sehr dankbar. Das TraumaNetzwerk kann auch hier als zentraler Ankerpunkt gesehen werden und die Vorhaltekosten für diese Aufgaben müssen von der Allgemeinheit getragen werden.

Alleine aus diesen wenigen Aspekten geht hervor, dass die Unfallchirurgie ein umfassendes Fach darstellt und eine Art ganzheitliche Behandlung der anvertrauten Patienten gewährleistet: vom Unfallort über den Schockraum, den Operationssaal, die Intensivstation und die Allgemeinstationen über die Ambulanzen bis hin zur Rehabilitation. Hieraus erwachsen mannigfache Aufgaben, die von den Ausschüssen, Sektionen und Arbeitsgemeinschaften der DGU sowie den Gremien und Vorständen bewältigt werden. Der DKOU 2016 hat gezeigt, was in unserem Fach alles bearbeitet wird und möglich ist. Dieses Engagement ist unentgeltlich, uneigennützig und freiwillig, aber immer mit positiven und hohen ethischen Ansprüchen verbunden. Dafür bin ich allen Mitgliedern außerordentlich dankbar.

Ich möchte mich bei allen Mitgliedern für das Vertrauen bedanken, mir als Präsident der DGU die Möglichkeit zu geben, mit Ihnen bei diesen zahlreichen Projekten und Aufgaben zusammenzuarbeiten und damit zum Wohle der Patienten die Unfallchirurgie voranzubringen.

Herzlichst
Ihr Ingo Marzi