„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Gedenken der jüdischen Mitglieder

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) hat auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2013 ihrer jüdischen Mitglieder gedacht. Anlass war der 80. Jahrestag der Machtübernahme des nationalsozialistischen Regimes am 30. Januar 1933.

Langjährige Nachforschungen notwendig 

Die damalige Deutsche Gesellschaft für Unfallheilkunde, Versicherungs- und Versorgungsmedizin e.V. (DGU) hat durch Kriegs- und Nachkriegseinwirkungen alle ihre dokumentarischen und vereinsrechtlichen Unterlagen verloren. Insbesondere verfügte sie nicht einmal mehr über Mitgliederverzeichnisse und andere Geschäftspapiere. Im Unterschied zu anderen Gesellschaften konnte auch nicht auf Rückkehrer und deren Gedächtnisschatz zurückgegriffen werden. „Gleichwohl hat sich die DGU seit vielen Jahren bemüht, Licht in das Dunkel zu bringen, und dies umso mehr, als bekannt war, dass ihr Präsident von 1930, Paul Jottkowitz, zu den Verfemten gehörte, obwohl er bereits viele Jahre vor Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft seine Religionsgemeinschaft verlassen hatte“, erklärt Professor Dr. Jürgen Probst, Leiter der DGU-Arbeitsgemeinschaft Geschichte der Unfallchirurgie und federführend bei der Recherche zum Gedenken an die jüdischen Mitglieder.

Vergangenen zehn Jahre entscheidend

Erst mit der Einrichtung staatlicher, kommunaler beziehungsweise wissenschaftlicher Kommissionen und Gremien, die „amtlichen“ Zugriff auf zum Teil verschüttete Quellen hatten, gelang es, durch Abgleich bruchstückhafter, manchmal vager Überlieferungen nach und nach den größten Teil der verfolgten Mitglieder hinreichend dokumentarisch gesichert aufzufinden. Das ermittelte Schriftmaterial, auch einige wieder aufgefundene Mitgliederverzeichnisse, ist meistenteils erst in den letzten zehn Jahren verfügbar geworden. 

Die Mitglieder:

  • Dr. Georg Willy Alexander-Katz * 23. Mai 1867 Liegnitz, † 8. April 1945 Funchal/Madeira/Portugal.
  • Prof. Dr. Hans Ritter von Baeyer * 28. Februar 1875 Straßburg, † 21. Januar 1941 Düsseldorf.
  • Prof. Dr. Kurt Berliner * 24. Mai 1879 Breslau, † 25. April 1937 Obernigk bei Breslau.
  • San.-Rat Dr. Hans Isidor Bettmann * 1. September 1866 Geisa bei Weimar, † 1942 New York.
  • Dr. Ernst Bettmann * 19. März 1899 Leipzig, † 22. September 1988 White Plains/USA
  • Geh. San.-Rat. Dr. Eugen Cohn * 23. September 1860 Berlin, † 28. Februar 1933 Berlin.
  • Oberregierungsmedizinalrat Dr. Curt Ehrlich * 24. Februar 1871 Neisse, † unbekannt.
  • Dr. Hermann Engel * 4. September 1886 Hamburg, † Mai 1971 New York.
  • Dr. Julius Fuchs * 30. Mai 1888 Odenheim, † 1953 New York.
  • PD Dr. Kurt Max Grassheim * 12. Februar 1897, † 15. November 1948 New York.
  • Prof. Dr. Ludwig Guttmann * 3. Juli 1899 Tost/Oberschlesien, † 18. März 1980 Aylesbury/Großbritannien.
  • Dr. Kurt Eduard Hirschfeld * 9. Januar 1889 Braunsberg/Ostpreußen, † 1971 New York.
  • San.-Rat Dr. Ernst Joseph * 7. April 1872 Breslau, † 1950 Berlin.
  • Oberregierungsmedizinalrat Dr. Paul Jottkowitz * 24. Juli 1868 Samotschin, † 26. Mai 1936
  • Dr. Eugen Jungmann * 27. Februar 1871 Breslau, † 24. Februar 1943 Ghetto Theresienstadt.
  • Dr. Hermann Kaufmann * 26. August 1887 Köln, † 14. April 1967 New York.
  • San.-Rat Dr. Karl Lissauer * 4. Mai 1869 Oberaula/Hessen, † 25.Oktober 1940 Düsseldorf.
  • Dr. Max Mainzer * 30. Januar 1872 Heppenheim/Bergstraße, † 22. August 1952 New York.
  • Dr. Oskar Salomon Meyer * 12. September 1880 Lübeck, † 9. November 1959 London.
  • Dr. Bernhard Mosberg * 20. Februar 1874 Horn, † 1944 KZ Auschwitz.
  • Dr. Gustav Muskat * 19. März 1874 Breslau, † 12. April 1938 Berlin.
  • Dr. Gustav Rosenburg * 7. Juli 1891, † unbekannt.
  • San.-Rat Dr. Moritz (Mordscha) Rothenberg * 25. Dezember 1862 Ratzebuhr/Pommern, † 5. Oktober 1942 Ghetto Theresienstadt.
  • Dr. Robert Otto Rothschild * 21. Oktober 1872 Frankfurt/Main, † 9.Dezember 1940 Frankfurt/Main.
  • Dr. Ernst Adolf (Dan) Ruhemann * 13. Oktober 1897 Berlin, † 23. Dezember 1952 Bristol/Großbritannien. 
  • Prof. Dr. Franz Schück * 24. Oktober 1888 Breslau, † 1958 New York.
  • Prof. Dr. Walther Veit Simon * 28. Dezember 1882 Berlin, † 21. April 1958 Santiago de Chile.
  • Regierungsmedizinalrat Dr. Paul Weil * 10. September 1894, † 8. Juni 1963 Nottingham/Großbritannien. 


Lesen Sie mehr:

„Gedenken der jüdischen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Unfallheilkunde, Versicherungs- und Versorgungsmedizin“ (PDF) von Prof. Dr. Jürgen Probst, erschienen in „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ (OUMN), Ausgabe Oktober 2013


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