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OUMN-Lesetipp

Neuer Knorpel für das Knie: Welche Methode ist die beste?

Operation am Knie
© romaset / Adobe Stock

Große Verletzungen wie Kniescheibenverrenkungen oder Kreuzbandrisse führen häufig zu einer Schädigung des Knorpels. Aber auch kleinere Verletzungen durch hohe mechanische Belastungen und Drehbewegungen des Knies, etwa durch Fußballspielen, Tennis oder Skifahren, können sich mit der Zeit zu einem größeren Knorpelschaden summieren. Die Folge: Es kommt zu Schmerzen bei Belastungen des Gelenks; später auch in Ruhephasen und schließlich kann es zu schmerzhaften Entzündungen kommen. Mithilfe von knorpelregenerierenden Therapien lässt sich die geschädigte Knorpelschicht wieder reparieren. In der aktuellen Ausgabe der Mitgliederzeitschrift „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ haben Experten der AG Klinische Geweberegeneration der DGOU sowie weitere Knorpelspezialisten unterschiedliche Therapieformen näher beleuchtet und einen Behandlungsalgorithmus entwickelt.

Ist die Patientin oder der Patient grundsätzlich für eine knorpelregenerative Therapie geeignet? Diese Frage stellt sich bereits zu Beginn des Entscheidungsprozesses, bevor die eigentliche Art der Therapie festgelegt wird. Hier spielt weniger das Patientenalter eine Rolle. Weitaus bedeutendere Kriterien sind ein multikompartimentelles Auftreten von Knorpelschäden, relevante Arthrosezeichen in der Bildgebung, lange Symptomdauer sowie fehlgeschlagene Voroperationen des Betroffenen. Hinzu kommt eine umfassende Diagnostik bzgl. bestehender Begleitpathologien, um eventuell ergänzende Therapieverfahren einzuleiten.

Einige knorpelregenerierende Therapien, die aktuell in der praktischen Anwendung sind, werden in dem Artikel näher untersucht und hinsichtlich ihrer Eignung für bestimmte Knorpelschäden bewertet. Die Mikrofrakturierung ist das am meisten angewandte knochenmarkstimulierende Verfahren und wird bei kleinen Knorpelschäden von bis zu zwei Quadratzentimetern genutzt. Mittels einer Ahle werden kleine Löcher in den Knochen unter der fehlenden Knochenschicht eingebracht. Es kommt zu einer Blutung aus dem Knochen und Blutstammzellen haften an der defekten Stelle an, die nach einigen Monaten zu Faserknorpel werden und somit den Knorpeldefekt auffüllen.

Die matrixaugmentierte Knochenmarkstimulation eignet sich für größere Defekte von 1 bis 4,5 Quadratzentimeter. Zusätzlich zur Mikrofrakturierung wird hier Biomaterial, wie z.B. eine Kollagenmembran, in den Knorpeldefekt eingepasst. Auf diese Weise sollen die Stellen der Knocheneröffnung geschützt und das Einnisten der Stammzellen begünstigt werden.

Als Standardtherapie für mittlere bis größere Defekte ab zwei Quadratzentimeter hat sich heute die Knorpelzelltransplantation bzw. autologe Chondrozytentransplantation bewährt. Bei diesem Verfahren werden dem Patienten gesunde Knorpelzellen aus einem unbelasteten Kniegelenkanteil entnommen, in einem Labor vermehrt und anschließend in den Knorpeldefekt eingebracht.

Welche Empfehlungen die AG Geweberegeneration sowie weitere Knorpelspezialisten zur Patientenselektion und Indikationsprüfung im Detail geben und wie die Experten die Vor- und Nachteile der einzelnen Therapiemethoden bewerten, ist jetzt im OUMN-Leitartikel „Knorpelregenerative Therapie am Kniegelenk“ (© DGOU und BVOU [2023] Published by Springer Medizin Verlag Berlin [2023]. All rights reserved.) nachzulesen.

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