„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
Resident and Fellow Trauma Paper Competition

Von Europa auf die Weltbühne: Platz zwei weltweit bei der ACS Trauma Paper Competition

Die Preisverleihung des RFTPC-Grundlagenforschungspreises
Die Preisverleihung des RFTPC-Grundlagenforschungspreises erfolgte im Rahmen der Jahrestagung des Committee on Trauma in Birmingham (Alabama, USA) im März 2026, v. l. n. r.: Dr. Jørgen Joakim Jørgensen, Prof. Dr. Jeffrey Kirby, Prof. Dr. Christoph Wölfl, Dr. Rald Groven, Dr. Warren Dorlac © American College of Surgeons

Die Ausschreibung für die Resident and Fellow Trauma Paper Competition (RFTPC) 2026 läuft bereits. Wie weit der Wettbewerb junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen kann, zeigt der Erfolg von Dr. Rald Groven: Der Aachener erreichte bei der diesjährigen Endrunde den zweiten Platz weltweit. Weniger bekannt ist, dass hinter dem Wettbewerb dasselbe internationale Netzwerk des American College of Surgeons (ACS) steht, das viele Orthopädinnen und Orthopäden sowie Unfallchirurginnen und Unfallchirurgen durch das Fortbildungsprogramm ATLS (Advanced Trauma Life Support) kennen. Bewerbungen erfolgen über die jeweiligen ACS-/ATLS-Regionen, die auch die Vorauswahl der eingereichten Arbeiten treffen. In Europa übernimmt diese Aufgabe die ATLS Europe Association (AEA) mit ihrem Präsidenten Prof. Dr. Christoph Wölfl. Der Sieger jeder Region wird anschließend vom ACS Committee on Trauma zum internationalen Finale eingeladen. Grovens Erfolg unterstreicht die hohe internationale Sichtbarkeit deutschsprachiger Traumaforschung – und zeigt zugleich, welche Chancen dieser Wettbewerb dem wissenschaftlichen Nachwuchs bietet.

„In diesem Moment war ich vor allem sehr dankbar und auch ein Stück weit erleichtert“, erinnert sich Groven. Hinter der prämierten Arbeit stehe ein enormer experimenteller und analytischer Aufwand. Gleichzeitig betont er, dass der Erfolg das Ergebnis einer engen internationalen Zusammenarbeit gewesen sei. Beteiligt waren das Universitätsspital Zürich, die Universität Maastricht und das Universitätsklinikum Aachen. Besonders hebt Groven die Unterstützung des Traumateams um Prof. Dr. Hans-Christoph Pape und Dr. Dr. Michel Teuben in Zürich sowie von Prof. Dr. Martijn van Griensven (Maastricht) und Prof. Dr. Frank Hildebrand (Aachen) hervor.

Im Mittelpunkt der ausgezeichneten Arbeit stand die Frage, wie unterschiedliche Techniken der Markraumaufbereitung bei der intramedullären Nagelung die systemische Immunantwort nach einem Trauma beeinflussen. Untersucht wurde dies in einem Großtiermodell anhand der Regulation von microRNAs, die als zentrale Regulatoren der Genexpression gelten.

Die Ergebnisse zeigen, dass das sogenannte RIA-System (Reamer-Irrigator-Aspirator) im Vergleich zur konventionellen Aufbohrtechnik zu einer Reduktion proinflammatorischer und profibrotischer microRNAs führen kann – insbesondere bei Polytraumata. Gleichzeitig fanden sich Hinweise auf verstärkte regenerative und immunregulatorische Prozesse. Für die klinische Praxis sind diese Erkenntnisse von hoher Relevanz. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass nicht nur wann und ob operiert wird, entscheidend ist, sondern auch wie“, erklärt Groven. Die Wahl der chirurgischen Technik könne direkten Einfluss auf die systemische Physiologie und damit letztlich auf den Behandlungserfolg haben.

Der Wettbewerb selbst zählt zu den renommiertesten internationalen Plattformen für wissenschaftlich aktive Weiterbildungsassistentinnen und Weiterbildungsassistenten sowie Fellows im Bereich der Traumaversorgung. Nach der Einreichung werden die Arbeiten zunächst regional begutachtet. Bewertet werden unter anderem Methodik, Innovationsgrad und klinische Relevanz. Die besten Beiträge qualifizieren sich für die internationale Endrunde, in der die Forschenden ihre Ergebnisse vor einer Jury des American College of Surgeons präsentieren. Neben der wissenschaftlichen Qualität fließen auch die Präsentation und die Diskussion mit den Gutachterinnen und Gutachtern in die Bewertung ein. 

Für Groven war insbesondere die Vermittlung der komplexen biomolekularen Inhalte eine Herausforderung: „Wir bewegen uns hier an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung.“ Gerade diese Verbindung zwischen Labor und Klinik habe jedoch den besonderen Wert der Arbeit ausgemacht.

Ausschreibung 2026: Jetzt bewerben!

Die nächste Runde der Resident and Fellow Trauma Paper Competition des American College of Surgeons Committee on Trauma (ACS COT) ist bereits gestartet. Teilnehmen können wissenschaftlich aktive Weiterbildungsassistentinnen und Weiterbildungsassistenten sowie Fellows mit Forschungsarbeiten aus allen Bereichen der Traumaversorgung – von der experimentellen Grundlagenforschung bis zur klinischen Studie.

Für europäische Bewerberinnen und Bewerber erfolgt die Vorauswahl über die ATLS Europe Association (AEA). Deren Präsident Prof. Dr. Christoph Wölfl engagiert sich seit vielen Jahren für die Verbreitung von ATLS in Europa und begleitet auch die wissenschaftliche Nachwuchsförderung innerhalb des internationalen ACS-Netzwerks. Für ihn ist die Competition weit mehr als ein Forschungswettbewerb. Er sagt: „Sie bietet jungen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, ihre Arbeit einem internationalen Fachpublikum vorzustellen, wertvolles Feedback von renommierten Expertinnen und Experten zu erhalten und frühzeitig internationale Kontakte zu knüpfen.“ Die besten Beiträge qualifizieren sich für die internationale Endrunde und erhalten die Chance, ihre Forschung auf der Bühne des American College of Surgeons zu präsentieren.

Abstracts für die europäische Auswahlrunde können noch bis zum 30. November 2026 eingereicht werden.

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