„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
Interview

„Wir gestalten gerade die Zukunft unseres Fachs“

Swetlana Meier im Gespräch mit Prof. Dr. Sascha Flohé
Swetlana Meier im Gespräch mit Prof. Dr. Sascha Flohé © S. Meier / DGOU

Seit über 100 Tagen ist Prof. Dr. Sascha Flohé in seiner neuen Doppelrolle als stellvertretender Generalsekretär der DGOU und Generalsekretär der DGU im Amt. Hinter ihm liegen intensive Wochen mit vielen Gesprächen und einer spürbar höheren Taktung im Alltag. Am Rande der Strategietagung in Seeheim zieht Prof. Dr. Flohé nun eine erste Zwischenbilanz: Was hat ihn überrascht, was treibt ihn an und wo sieht er die größten Weichenstellungen für die Zukunft von O&U?

Herr Prof. Flohé, was hat Sie in dieser ersten Phase am meisten überrascht? 

Prof. Dr. Sascha Flohé: Wie sehr man die eigene Effektivität und Effizienz noch steigern kann, selbst nach vielen Berufsjahren. Ich arbeite vielleicht eine bis anderthalb Stunden mehr am Tag als vorher, aber deutlich strukturierter und wirkungsvoller. 

Was treibt Sie morgens an, wenn Sie an die DGOU denken?

Flohé: Ich bin kein Frühaufsteher, aber vor der Frühbesprechung mache ich beim Kaffee meine erste Mailsession und beantworte auch morgendliche Mails von Bernd (DGOU-Generalsekretär), die erste von ihm kommt oft gegen 6:57 Uhr, meine Antwort kurz nach sieben. Also DGOU pur noch vor der Klinik.

Welches Thema lässt Sie aktuell nicht los?

Flohé: Die Diskussionen zur Weiterbildung gehören aktuell zu den anspruchsvollsten Themen. Denn das Umfeld verändert sich stark: Krankenhausreform, Ambulantisierung, neue Facharztstrukturen und Digitalisierung stellen die bisherigen Modelle infrage. Es geht um die Grundstruktur: Wo und wie bilden wir künftig aus, welche Kompetenzen brauchen wir und wer übernimmt welche Rolle? Das erfordert viel Abstimmung und ist ein Prozess. Aber genau darin liegt auch die Chance: Wir gestalten gerade für die nächste Generation unseres Fachs. Das sind neue Themen, bei denen viele Ebenen ineinandergreifen –praktische Umsetzung, rechtliche Fragen, Abgrenzungen. Hier den richtigen Weg zu finden, ist noch nicht abgeschlossen.

Was war Ihr wichtigstes Learning in den ersten 100 Tagen?

Flohé: Dass die Unterstützung innerhalb der DGU und DGOU großartig ist. Viele Gremien, Sektionen, Kolleginnen und Kollegen tragen diesen Job aktiv mit. Sie sagen nicht nur „Wir unterstützen dich“, sie tun es wirklich. Diese funktionierenden Strukturen machen vieles erst möglich.

Wenn wir ein Jahr nach vorne schauen: Woran möchten Sie sich am Ende Ihrer ersten Amtszeit messen lassen?

Flohé: Maßstab wird sein, die neue Struktur mit den Sektionen und dem Sektionsbeirat mit lebendigen Projekten zu füllen – die Tagung hier in Seeheim ist dafür ein guter Schritt. Wir haben schon in den ersten 100 Tagen einiges erreicht: das AN-Institut gegründet, als erste Fachgesellschaft überhaupt, und eine große Strategietagung für die AUC mit allen Gremien der DGU organisiert. Wenn wir nur die Hälfte dieses Tempos ein Jahr lang halten, wäre das schon ein Erfolg. Ich habe übrigens eine Excel-Tabelle (schmunzelt), mit Zielen für die ersten drei und sechs Monate. Die ist geheim – außer vielleicht, jemand besticht meine Vertrauten.
 

FLOHÉ GANZ PERSÖNLICH
 

Sie sind selbst leidenschaftlicher Boulderer. Was fasziniert Sie an diesem Sport und gibt es Parallelen zu Ihrer Rolle als Generalsekretär?

Man kann sich auf jedem Level persönliche Ziele setzen und sie erreichen. Ich habe zu meinem 50. Geburtstag zuletzt eine Tour im 9. Grad geklettert und mir vorgenommen, das an meinem 60. wieder zu schaffen. Dieses Zielverfolgen ist vielleicht auch die Parallele zum Job: Setz dir ein Ziel und arbeite darauf hin. 

Was bringt Sie aus der Balance? 

Sinnlose Sitzungen und wenn Arbeit nicht effizient ist. 

Kopf oder Bauch – was entscheidet bei Ihnen?

Kopf. Ganz klar.

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