„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

COVID-19-Spezial

Die Ausbreitung des Coronavirus sowie die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betreffen derzeit fast alle Aspekte des Lebens und stellen die Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Auch die Unfallchirurgie sieht sich mit neuen, dringenden Fragen konfrontiert. Auf dieser COVID-19-Themenseite gibt die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) einen Überblick über die wichtigsten Infos und Veröffentlichungen aus O und U. 

Aktuelles

Viele Operationen mussten auch während der zweiten Welle in der Corona-Pandemie verschoben werden. Eine positive Bilanz zogen jedoch Deutschlands Kindertraumatologen für den Bereich der Knochenbruchversorgung von Kindern. „Wir haben festgestellt, dass die zeitgerechte Versorgung von Knochenbrüchen im Kindesalter auch während der Corona-Pandemie gewährleistet war“, sagt Prof. Dr. Dr. Peter Schmittenbecher, Leiter der Sektion Kindertraumatologie (SKT) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und Direktor der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Karlsruhe. Klinikvertreter aus der gesamten Bundesrepublik stellten bei einem Arbeitstreffen rückblickend fest: Die Entscheidungen über eine sofortige oder am nächsten Tag durchzuführende Operation wurde wie immer nur von der Verletzungsschwere und dem Zustand der kleinen Patienten, nicht aber von logistischen Aspekten bestimmt.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) hatte im April 2020 Auszüge aus dem Handbuch Krankenhausalarm- und -einsatzplanung (KAEP) vorab veröffentlicht, um Krankenhäuser bei ihren Vorplanungen und Maßnahmen in Bezug auf die COVID-19-Pandemie zu unterstützen. Pünktlich zum Jahresende ist die Publikation finalisiert worden und steht nun auf der Website des BKK kostenfrei zum Download bereit.

Seit Beginn der zweiten Welle der Corona-Pandemie arbeiten viele Kliniken erneut im Krisenmodus und haben wieder vermehrt planbare Operationen verschoben. Denn, wie schon im Frühjahr 2020, ist das oberste Ziel, die aktuell hohe Anzahl an COVID-19-Infizierten zu bewältigen und alle Patienten bestmöglich zu versorgen. Welche Erfahrungen haben die Krankenhäuser im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie im ersten Lockdown gemacht? Die Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Universitätsklinik Bonn zu den Auswirkungen von COVID-19 auf O und U, unterstützt von DGOU und BVOU, stellen Dr. Thomas Randau und PD Dr. Matthias Pumberger in der aktuellen Ausgabe der Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten (OUMN) vor.

Über 10.000 Teilnehmende sollten kommen, mehr als 1.000 Abstracts waren eingereicht und 1.800 Präsentationen aus Wissenschaft und Forschung geplant. Dennoch: Zum ersten Mal wird es aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr keinen Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) geben. Das teilten die Fachgesellschaften DGOU, DGOOC und DGU sowie der Berufsverband BVOU heute ihren Mitgliedern mit großem Bedauern mit. Nach Abwägung aller Möglichkeiten sind die Beteiligten übereingekommen, dass eine Ausrichtung des DKOU 2020 gemäß den Bedingungen der Verordnung des Berliner Senats zu Großveranstaltungen nicht möglich sein wird. Dementsprechend hat die Messe Berlin die Agentur Intercongress aus dem Vertrag zur Ausrichtung des Kongresses entlassen.

Um die Krankenhäuser in der derzeitigen coronabedingten Ausnahmesituation bei der Behandlung von Patienten zu unterstützen, geben Experten aus O und U im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Webinaren praktische Ratschläge zur Versorgung orthopädisch-unfallchirurgischer Notfälle. Für die kostenfreie Teilnahme ist eine Vorabregistrierung auf der Lernplattform bikmed der Akademie für Unfallchirurgie (AUC) erforderlich. Das nächste Webinar findet zum Thema „Start in eine neue Normalität?“ am 6. Mai 2020 von 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr statt.

Gemeinsames Statement von Fachgesellschaften

Schrittweise wieder mehr planbare Operationen

Als Reaktion auf den notwendigen Bettenbedarf für Intensivpflegefälle im Rahmen der COVID-19-Pandemie haben Krankenhäuser deutschlandweit elektive Eingriffe verschoben. Damit konnten sowohl personelle als auch räumliche Ressourcen für die Behandlung von COVID-19-Patienten geschaffen werden. Wegen der eingedämmten Ausbreitung des Coronavirus sollen die Krankenhäuser laut Bundesregierung ab Mai wieder mehr freigehaltene Betten mit anderen Erkrankten belegen. Somit können auch jetzt wieder nach und nach diejenigen Patienten operativ versorgt werden, deren Behandlung vertagt wurde. Führende chirurgische Fachgesellschaften haben nun in einem gemeinsamen Statement einen Leitfaden für die schrittweise Wiederaufnahme von elektiven OPs in Krankenhäusern veröffentlicht.

Da wegen der derzeitigen Regelungen zur Eindämmung von COVID-19 vielerorts keine Audits in Kliniken möglich sind, haben der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirugie (DGU) zusammen mit den Zertifizierungsunternehmen Regelungen zum weiteren Vorgehen dieser Prüfung getroffen. Falls ein Audit in der Klinik aufgrund der aktuellen Bestimmungen nicht stattfinden kann und eine Aufrechterhaltung der aktuellen gültigen Bescheinigung durch eine fristgerechte Auditierung nicht möglich ist, wird der Einrichtung nach formloser schriftlicher Beantragung ein Auditaufschub für zunächst sechs Monate gewährt.

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie

DKOU 2020: Intensive Beratungen zum Planungsstand

Die Folgen durch die Corona-Pandemie betreffen alle Lebensbereiche. Viele Veranstaltungen müssen abgesagt oder verschoben werden. Gilt das auch für Europas größten Kongress im Fachgebiet O und U vom 20. bis zum 23. Oktober 2020? Der Senat der Stadt Berlin hat am 21. April 2020 eine Verordnung zu Großveranstaltungen erlassen, die auch die Planungen zum Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) betreffen wird. Zu diesem Thema stehen die ausrichtenden Fachgesellschaften und der Berufsverband derzeit in intensiven Beratungen untereinander sowie mit der Kongressagentur Intercongress. Darüber wurden die Mitglieder von DGOU, DGOOC, DGU sowie dem BVOU in einem offiziellen Schreiben informiert. Die Ergebnisse zu den Beratungen sollen zu gegebener Zeit kommuniziert werden.

Empfehlungen von Fachgesellschaften und Berufsverband

Veränderte Arbeitsabläufe in Kliniken und Praxen

Die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) und auch die politischen Entscheidungen zur Corona-Pandemie ändern sich in kurzfristigen Intervallen. Darüber hinaus werden diese Umsetzungen in den verschiedenen Bundesländern nicht einheitlich durchgeführt und es gibt bei der Versorgung unterschiedliche räumliche, organisatorisch-logistische sowie personelle Strukturen. Da in der derzeitigen Situation keine konkreten, allgemein gültigen Richtlinien mit zumindest mittelfristigem Gültigkeitsbestand herausgegeben werden können, haben die orthopädisch-unfallchirurgischen Fachgesellschaften und der Berufsverband die wichtigsten Empfehlungen erarbeitet.

Die COVID-19-Pandemie hat Auswirkungen auf das gesamte Gesundheitssystem und wird auch das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie weiterhin beschäftigen. So wurden elektive Operationen abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Bis heute ist nicht abzusehen, wann Kliniken wieder zur Normalität zurückfinden und welche langfristigen Konsequenzen sich aus der Krise ergeben. Gerade im Hinblick auf die laufenden EndoCert-Zertifizierungsverfahren müsse die besondere Situation Berücksichtigung finden, sagt Dr. Holger Haas, Vorsitzender der Zertifizierungskommission EndoCert der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Die Zertifizierungskommission hat daher jetzt Regelungen zu Audits und Fortbildungsveranstaltungen getroffen.