„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“

Sektion Alterstraumatologie

Aufgabenstellung

Die Alterstraumatologie ist längst mehr als ein Spezialgebiet der Unfallchirurgie – sie ist ein zentrales Zukunftsfeld in einer alternden Gesellschaft. Mit dem demografischen Wandel steigt die Zahl älterer Patientinnen und Patienten mit Fragilitätsfrakturen kontinuierlich. Vor allem hüftnahe Femurfrakturen gehen mit hoher Mortalität, Verlust von Selbstständigkeit und erheblichem Pflegebedarf einher und stellen das Gesundheitssystem vor medizinische und ökonomische Herausforderungen. Multimorbidität, Frailty, Polypharmazie und kognitive Einschränkungen machen deutlich, dass die Versorgung weit über die operative Behandlung hinausgehen muss.

Insbesondere eine von Anders Prestmo im Lancet publizierte Studie belegt, dass ein orthogeriatrisches Co-Management mit frühzeitiger geriatrischer Mitbehandlung funktionelle Ergebnisse verbessert, Komplikationen reduziert und die Selbstständigkeit älterer Menschen länger erhält. Aktuelle Daten bestätigen zudem, dass multiprofessionelle Behandlungskonzepte Mortalität, Medikationsfehler und postoperative Komplikationen senken können. Die Prinzipien der Alterstraumatologie reichen inzwischen über das eigentliche Fachgebiet hinaus: Auch in der elektiven Orthopädie und besonders in der Endoprothetik bieten interdisziplinäre Behandlungspfade klare outcomerelevante Vorteile.

Gleichzeitig wächst der Druck auf die Versorgungsstrukturen. Der Bedarf an spezialisierten Alterstraumazentren, interdisziplinären Teams und rehabilitativen Angeboten steigt – bei gleichzeitigem Fachkräftemangel in Pflege, Geriatrie und Unfallchirurgie. Längere Behandlungszeiten, steigende Kosten und die Belastung stationärer wie ambulanter Strukturen zeigen, dass evidenzbasierte Medizin allein nicht ausreicht: Gefragt sind Konzepte, die wissenschaftlich fundiert und zugleich praktikabel sowie nachhaltig umsetzbar sind.

An dieser Schnittstelle gewinnt die Sektion Alterstraumatologie besondere Bedeutung. Sie verbindet wissenschaftliche Evidenz mit klinischer Realität und schafft ein Forum, in dem moderne Versorgungskonzepte entwickelt, bewertet und implementiert werden. Der interdisziplinäre Austausch zwischen Unfallchirurgie, Geriatrie, Orthopädie, Pflegewissenschaft und Gesundheitsökonomie ermöglicht dabei einen praxisnahen Blick auf die Herausforderungen der täglichen Versorgung.

Die Alterstraumatologie steht exemplarisch für die Medizin der Zukunft: interdisziplinär, evidenzbasiert und patientenzentriert – mit dem Anspruch, wissenschaftlichen Fortschritt in funktionierende Versorgung zu übersetzen.

Leiter

Prof. Dr. Carl Neuerburg
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie 
Universitätsklinikum Düsseldorf 

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Stellvertretender Leiter

Prof. Dr. Carsten Schöneberg
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Alfried Krupp Krankenhaus Essen

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Sektionsbeauftragter für Versorgungsstrukturen und Netzwerke

Dr. Thomas Friess
Versorgungsstrukturen und Netzwerke
Projektkoordination AltersTraumaZentrum- und AltersTraumaRegister-DGU
Akademie der Unfallchirurgie AUC, München 

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Schriftführerin

Prof. Dr. Daphne-Asimenia Eschbach
Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Alterstraumatologie, Schwerpunkt Hand und Fußchirurgie, Helios Klinik Kassel
und Praxisklinik am Forstbachweg, Kassel

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Anzahl der Mitglieder: 163 (Stand Juni 2026)

Interessierte sind herzlich eingeladen, sich per E-Mail zu melden.

AltersTraumaZentrum DGU®

In dem von der Sektion Alterstraumatologie entwickelten Verfahren werden seit 2014 Kliniken in Deutschland und dem europäischen Ausland zum AltersTraumaZentrum DGU® zertifiziert. 

Nähere Informationen: AUC Website AltersTraumaZentrum DGU®

AltersTraumaRegister DGU®

Parallel zur Zertifizierung wurde das AltersTraumaRegister DGU® aufgebaut, an dem die zertifizierten Zentren verpflichtend teilnehmen und alle Patientinnen und Patienten mit proximaler Femurfraktur und Implantat assoziierter Fraktur eingegeben werden. 

Nähere Informationen: AUC Website AltersTraumaRegister DGU®

Weißbuch Alterstraumatologie und Orthogeriatrie

Zum DKOU 2021 wurde von den Herausgebern Liener/Raschke/Wirtz/Kladny/Becker/Rapp das erweiterte Weißbuch Alterstraumatologie und Orthogeriatrie vorgestellt und im Jahr 2022 veröffentlicht. Die Sektion Alterstraumatologie der DGU war mit vielen Kapitelautoren federführend an der Gestaltung des Weißbuches beteiligt.

Leitlinienprojekt S3-Leitlinie Pertrochantäre Oberschenkelfraktur

  • Die S2e-Leitlinie „Pertrochantäre Oberschenkelfrakturen“ ist 2019 ausgelaufen.
  • Daher wurde durch die Sektion in Vertretung durch Prof. Neuerburg ein Projektantrag gestellt mit dem Ziel, die Leitlinie zu aktualisieren und auf S3-Niveau zu bringen.
  • Der eingereichte Innovationsfondantrag, in Kooperation zwischen der LMU München und dem Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) der TU Dresden, wurde positiv bewertet mit einem Volumen von mehr als 360.000 € gefördert.
  • Die S3-LL wurde zum 01.02.2026 veröffentlicht. Es wurden insgesamt 66 Behandlungsempfehlungen nach Evidenzsynthese erarbeitet und klare Behandlungsalgorithmen veröffentlicht, um die interdisziplinäre Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern.

Leitlinienprojekt S3-Leitlinie Mediale Schenkelhalsfraktur

  • Die S2e-Leitlinie „Schenkelhalsfraktur des Erwachsenen“ ist 2020 ausgelaufen
  • Daher wurde durch die Sektion in Vertretung durch Prof. Neuerburg ein Projektantrag gestellt mit dem Ziel, die Leitlinie zu aktualisieren und auf S3-Niveau zu bringen.
  • Der eingereichte Innovationsfondantrag unter dem Projektakronym HIPSTER (Hüftfrakturen des Schenkelhalses: fortschrittliche Therapie auf Evidenzbasis für eine optimale Regeneration), in Kooperation zwischen der HHU Düsseldorf und dem Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) der TU Dresden, wurde durch den Fördergeber (Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss) positiv bewertet und wird nach einem 2-stufigen Bewerbungsverfahren mit insgesamt 341.820 € gefördert.
  • Nach Beginn des Projekts zum 01.04.2026 wird die Veröffentlichung voraussichtlich Ende 2028 erwartet.

BMFTR-Projekt Mobi-Hip-KI (Mobilitätsanalysen von Hüftfrakturpatienten mittels künstlicher Intelligenz)

  • Das Projekt Mobi-Hip-KI zielt auf die Entwicklung eines innovativen Gesundheitsmonitoringsystems ab, um Behandlungsabweichungen bei Patienten mit Hüftfrakturen frühzeitig zu erkennen.
  • Ziele und Vorgehen:
    • Mithilfe von neuartigen Mobilitätssensoren erfasst das Projekt Mobi-Hip-KI die individuelle Aktivität. Eine künstliche Intelligenz analysiert die gesammelten Daten und erkennt Bewegungsmuster, die zu Komplikationen führen könnten. Neu auftretende Komplikationen ermittelt das System dadurch früher als das bisher möglich war. So könnte das an das System angebundene medizinische Fachpersonal frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen.
  • Innovationen und Perspektiven:
    • Von dem entwickelten System erhoffen wir uns eine nachhaltige Verbesserung der Behandlungsergebnisse und des Wohls der Patientinnen und Patienten. Künftig soll es Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachpersonen, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zur Verfügung stehen.
  • Projektpartner:
    • Ahead Care GmbH, Erlangen
    • Universitätsklinikum Augsburg - Institut für Digitale Medizin
    • Klinikum der Universität München - Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM)
  • Projektvolumen:
    • 0,83 Mio. € (davon 89% Förderanteil durch BMFTR)
  • Projektlaufzeit:
    • 01.03.2025 bis 29.02.2028

Curriculum Alterstraumatologie

Laufende Kurse: 

  • Masterkurs Alterstraumatologie
  • Zentrumskoordinator AltersTraumaZentrum

„OneMinuteWonder“ in Fachzeitschrift „Die Unfallchirurgie“

Durch die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft ist es für Unfallchirurginnen und -chirurgen von zunehmender Bedeutung, bei der Versorgung von Verletzungen auch bestehende Komorbiditäten und interdisziplinäre Risiken zu erkennen. Daher wurde von der Sektion in Vertretung durch Prof. Neuerburg angeregt, eine neue Rubrik „OneMinuteWonder“ in der Monatsausgabe der Zeitschrift „Die Unfallchirurgie“ zu integrieren. Der Vorschlag wurde bei den Herausgebern sowie dem Springerverlag positiv angenommen und bereits erste Beiträge veröffentlicht. Zudem werden die Beiträge auch via SocialMedia (LinkedIn) vom Springerverlag veröffentlicht.

Ambulante Alterstraumatologie – Anbahnung und Implementierung von Strukturen

Im Rahmen einer Umfrage wurde die ambulante unfallchirurgische Versorgung mit Fokus auf die Alterstraumatologie untersucht, insbesondere im Hinblick auf die Versorgungssicherheit in Vor- und und Nachbehandlung. Aktuell werden Strukturen und Scores zur besseren Bewertung der ambulanten Behandelbarkeit entwickelt. Dabei zeigt sich ein erhöhter Aufwand in der konservativen Therapie, der angepasste Heil- und Hilfsmittel erfordert. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe (PRM/DGG) arbeitet dazu an einer patientenzentrierten, ökonomisch tragfähigen Pilotstruktur für mehr Versorgungssicherheit im ambulanten Setting. Hier ist die Sektion Alterstraumatologie gemeinsam mit dem BVOU federführend beteiligt, die sektorenübergreifende Versorgung alterstraumatologischer Patientinnen und Patienten zukunftsfähig zu gestalten.

Ambulantes Operieren in der Alterstraumatologie – Evaluation der Machbarkeit und Strukturempfehlungen

Perspektivisch werden alterstraumatologische Eingriffe auf eine kleiner werdende Zahl spezialisierter Standorte konzentriert. Patientinnen und Patienten, die die Ressource Krankenhaus nicht zwingend benötigen, müssen daher künftig vermehrt ambulant versorgt werden. Neben der Patientensicherheit steht dabei insbesondere die bisher unzureichende Finanzierung des erhöhten ärztlichen Behandlungsbedarfs im Fokus. Diese Finanzierungsfrage sollte auf Ebene der Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen geklärt werden.

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