„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Qualität und Sicherheit

Kinderschutzleitlinie: Schneller reagieren und schneller helfen

© pegbes / Fotolia

Um die Diagnostik von Kindeswohlgefährdung und die Versorgungssituation von Kindern in einer akuten Situation zu verbessern, hat eine multiprofessionelle Leitlinienkommission Handlungsempfehlungen für sämtliche am Kinderschutz beteiligte Berufsgruppen entwickelt. Nun ist die S3-Leitlinie Kindesmisshandlung, -missbrauch und -vernachlässigung unter Einbindung der Jugendhilfe und Pädagogik veröffentlicht worden. Die sogenannte Kinderschutzleitlinie, die auch unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) entstanden ist, kann online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) abgerufen werden.

Laut Kriminalstatistik zu kindlichen Gewaltopfern kam es 2017 zu 143 Todesfällen, 4208 Misshandlungen und 13.539 sexuellen Missbrauchsfällen. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch viel höher, da diese Straftaten oftmals im eigenen Zuhause oder im nahen Umfeld geschehen und daher selten angezeigt werden.

Doch wie lässt sich Missbrauch erkennen und wie kann man dem Opfer so schnell wie möglich helfen? „Die Leitlinie Kindesmisshandlung, -missbrauch,-vernachlässigung unter Einbindung der Jugendhilfe und Pädagogik ist deutschlandweit die erste Leitlinie dieser Art“, sagt Dr. Hedie von Essen,  DGU-Vertreterin der Leitlinienkommission. „Diese Leitlinie ist ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz und höherem Bewusstsein für das sensible Thema. Alle am Kinderschutz beteiligten Berufsgruppen sind in einem gemeinsamen Prozess von der Diagnostik bis zur Versorgung des Opfers  miteinander verknüpft. So könne schnell reagiert und geholfen werden.“

Das Kind steht dabei im Zentrum: Alle Handlungsempfehlungen beziehen sich auf die Detektion und Diagnostik sowie den Schutz vor einer Kindeswohlgefährdung. Fachkräfte erhalten mehr Sicherheit im Erkennen, Beurteilen und Handeln bei Fällen der unterschiedlichen Formen von Kindeswohlgefährdung und werden angeleitet, entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Hierzu hat das Leitlinienteam Empfehlungen auch im praktischen Kitteltaschenformat entwickelt, die online abrufbar sind.

Hintergrund
Seit Dezember 2014 hat die Leitlinienkommission an der Leitlinie gearbeitet. Nach einer intensiven Fallstudie der insgesamt 79 beteiligten Fachgesellschaften und Organisation, Kategorisierung der gesammelten Fälle aus Medizin, Jugendhilfe und Pädagogik nach Misshandlungsformen und Altersgruppen sowie deren Auswertung auf Basis evidenzbasierter Medizin, konnten erste Handlungsempfehlungen formuliert werden. Diese Empfehlungen wurden auf der Konsensusprüfung im Juni 2018 erneut kommentiert und abschließend geprüft, so dass die Kinderschutzleitlinie im Januar 2019 veröffentlicht werden konnte.

Artikel versenden

artikel-versenden

Felder
https://www.dgu-online.de/news-detailansicht/kinderschutzleitlinie-schneller-reagieren-und-schneller-helfen.html
captcha
Senden