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Empfehlungen des SVR Gesundheit

Sachverständigenrat empfiehlt mehr ambulante Operationen

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Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat am 20. Juni 2012 ein Sondergutachten zum „Wettbewerb an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Gesundheitsversorgung“ an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr übergeben.

Das Gutachten untersucht, ob und inwieweit eine Stärkung des Wettbewerbs an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Behandlung dazu beiträgt, die Effizienz und Effektivität der Gesundheitsversorgung zu verbessern. In vielen Staaten ist der Anteil der ambulant oder teilstationär durchgeführten Operationen größer als in Deutschland. Nach Einschätzung des Rates gibt es auch hierzulande relevante Potenziale, stationäre durch ambulante Leistungen zu ersetzen, die bisher nicht ausgeschöpft würden.

Die Ursachen dafür sehen die Sachverständigen vor allem in unterschiedlichen ordnungspolitischen Rahmenbedingungen. Dies betrifft beispielsweise die unterschiedlichen Leistungsdefinitionen, Qualitätsanforderungen, Zulassungen, Vergütungen und Investitionsfinanzierungen. Um diese und andere Probleme zu überwinden, empfiehlt das Gutachten eine bessere Verzahnung der Patientenversorgung an der Schnittstelle ambulanter und stationärer Versorgung sowie den Abbau des Ungleichgewichts zwischen über- und unterversorgten Gebieten.

Ambulante Operationen besitzen dem Gutachten zufolge im Vergleich zu vollstationären Aufenthalten medizinische Potenziale, und zwar „durch die Minderung von Komplikationen, geringere körperliche und psychische Belastungen des Patienten und hohe Patientenzufriedenheit“. Zudem böten sie auch in finanzieller Hinsicht einige Potenziale. Stationäre Behandlungen könnten vermieden, zumindest aber teilstationär durchgeführt werden. Der Rat schlägt hierfür vor, ambulante Operationen in den Bereich der spezialfach-ärztlichen Versorgung aufzunehmen und eine einheitliche Vergütung zu entwickeln.

Für einen sinnvollen Wettbewerb sei es aber auch notwendig, die Krankenhäuser in quantitativer und qualitativer Hinsicht personell ausreichend auszustatten und die Patienten besser zu informieren, damit die Versicherten überhaupt eine Wahlentscheidung treffen könnten.

Einen Schwerpunkt legen die Gutachter auch auf die Situation der Krankenkassen. Der Wettbewerb untereinander fände bislang nur auf Preisebene, nicht aber auf Qualitätsebene statt. Laut Gutachten müssten die Krankenkassen mehr Spielraum bei den integrierten Versorgungsverträgen bekommen. Die Sachverständigen schlagen vor, innovative Versorgungsmodelle für jeweils fünf Jahre mit zinslosen oder vergünstigten Darlehen aus dem Gesundheitsfonds zu fördern, die nach Ablauf zurückzuzahlen sind. Diese Förderung soll sektorübergreifend sein und eine systematische Evaluation beinhalten.

Der Sachverständigenrat identifiziert an den Schnittstellen im Gesundheitswesen generell ein großes Risikopotenzial für ineffiziente oder sogar unnötige Behandlungen und vermeidbare Wohlfahrtsverluste der Patienten. Da Patienten heute früher das Krankenhaus verlassen, haben sie danach häufig einen hohen Weiterversorgungsbedarf. Neue Herausforderungen entstehen auch durch den demografischen Wandel. Die Zahl der älteren Patienten und die Komplexität der Krankheiten steigt. Aber auch strukturelle Veränderungen innerhalb der Krankenhausversorgung böten neue Herausforderungen für das Management an den Schnittstellen zwischen akut-stationärer und ambulanter Versorgung.

Um solche Schnittstellenprobleme zu überwinden, setzen die Gutachter auch auf eine stärkere Einbindung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Aufgrund der Risiken, die mit einer zentralen Speicherung von Daten verbunden sind, raten sie allerdings zu einem besonnenen Umgang mit personenbezogenen Gesundheitsdaten.

Im Detail unterbreitet der Rat unter anderem folgende Empfehlungen zur Sicherung einer sektorenübergreifenden Versorgungskontinuität:

  • Harmonisierung sozialrechtlicher Regelungen in SGB V und XI, auch zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und umfassender Pflegeberatung nach § 7a SGB XI,
  • verbindliche gesetzliche Vorgaben zur Ausgestaltung des Entlassungsmanagements nach Nationalen Expertenstandards mit Entwicklung einer nationalen Leitlinie,
  • Erweiterung der nachstationären Behandlungsmöglichkeiten des Krankenhauses im Sinne von Transitional-Care-Modellen und eine Weiterentwicklung um rehabilitative Anforderungen,
  • Dokumentation ungeplanter Rehospitalisierungen und deren Aufnahme in die Qualitätsberichterstattung,
  • Vorgabe von Mindeststandards für die multidisziplinäre Informationsübermittlung bei der Krankenhausentlassung,
  • Festlegung von Rahmenbedingungen zur Förderung der sektorenübergreifenden Interoperabilität von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie
  • die vollständige Übermittlung des Medikamentenplans einschließlich Begründungen für erfolgte Umstellungen.


Insgesamt brauche das Gesundheitssystem eine stärkere Fokussierung auf patientenrelevante Ergebnisse. „Für einen Patienten ist es nicht wichtig, wie oft sein Hausarzt seinen Blutdruck misst, sondern ob er letztendlich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erleidet“, heißt es im Gutachten. Der Rat empfiehlt, gesetzliche Vorgaben für das Entlassungsmanagement zu unterbreiten. Im Zentrum stehe hierbei auch die Arzneimitteltherapie. So sei es beispielsweise notwendig, dem Patienten beim Wechsel von einem zum anderen Leistungsbereich einen Medikationsplan mitzugeben.

Das Gutachten wird im Rahmen eines Symposiums am 18. September 2012 im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin vorgestellt (PDF-Flyer s.u.).

Miriam Buchmann-Alisch

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