„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

In Memoriam

Trauer um Prof. Dr. Ulrich Holz

Schwarzweißbild Wolken und Licht
© Jamrooferpix / AdobeStock

Der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) Prof. Dr. Ulrich Holz ist am 11. April 2021 im Alter von 80 Jahren gestorben. Die Präsidentschaft der DGU hatte er im Jahr 1993 inne, auch in der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO) war er aktiv als internationaler Referent. 2007 wurde er zudem mit der Dieffenbach-Büste ausgezeichnet. Prof. Dr. Andreas Wentzensen, ebenfalls ehemaliger Präsident der DGU, würdigt ihn im nachfolgenden Nachruf.

“Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, dass er, kräftig genährt, danken für Alles lern, und verstehe die Freiheit, aufzubrechen, wohin er will“.

Mit diesem Hölderlin-Zitat erreichte uns die Nachricht vom Tode von Ulrich Holz und wenn man ihn als Persönlichkeit beschreiben wollte, wäre dieser Satz dazu trefflich geeignet.

Ulrich Holz wurde am 26. Oktober 1940 in Heidenheim an der Brenz geboren, er wuchs auf mit drei Geschwistern, die Mutter war Kriegswitwe.

Nach Grundschule und Gymnasium in Heidenheim folgte das Medizinstudium in Tübingen, Wien und Freiburg/Breisgau. 1967 promovierte er an der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg/Brsg. 1974 wurde er Arzt für Chirurgie nach Weiterbildungszeiten in Lüneburg, Stuttgart und Tübingen, das Teilgebiet Unfallchirurgie erlangte er 1975.

Im gleichen Jahr begann er seine Tätigkeit an der BG-Unfallklinik Tübingen unter S. Weller, 1979 konnte er sich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen habilitieren und wurde an gleicher Stelle 1985 zum apl. Prof. ernannt.

In dieser Zeit vertrat Ulrich Holz die Klinik auf zahlreichen Veranstaltungen national und international, erlangte einen Ruf als kundiger und überlegter Vortragender, Diskutant und Berichterstatter, der seine Sache jederzeit überzeugend vertrat, in der Klink war er ein gewandter und erfahrener Operateur.
Als er 1981 in die Bewerbung um eine leitende Position ging, wurde er für die Unfallchirurgie an der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar an primo loco gesetzt, gleichzeitig war er für die Position des Ärztlichen Direktors der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Zentrum für Chirurgie des Katharinenhospital Stuttgart im Rennen und entschied sich für letztere Position, die er von 1982 bis 2006 innehatte.

Als er 1982 Tübingen verließ haben dies die jüngeren nachfolgenden Kollegen an der Klinik sehr bedauert, weil seine Art zu führen, zu lehren, zu assistieren und zu kommunizieren vorbildhaft war.
Ulrich Holz konnte man immer anmerken, dass ihm nicht nur die handwerkliche Tätigkeit in seinem Fach große Freude bereitete, mindestens genauso überzeugend war er in der Weitergabe seiner Erfahrung auch schwierigster Sachverhalte, in der Vermittlung seines Wissens, Erklären und verständlich machen, so dass dem Zuhörer das alles immer sehr einleuchtend und einfach erschien.

Als Mitglied der deutschen Sektion der AO war er als internationaler Referent für die AOI weltweit tätig, wobei seine Schwerpunkte zunehmend in Asien, dort vor allem in Indien, und dann auch im mittleren Osten lagen.

Wer ihn z.B. in Indien begleitete merkte bald, dass er dort einen Kultstatus erreicht hatte, der im Begriff „Great Friend of India“ seinen Niederschlag fand.

Ulrich Holz hat in Stuttgart über 300 Gastärzte betreut und sie immer wieder in ihren Ländern besucht, um sich von ihren Fortschritten zu überzeugen. Eine enge Verbindung bestand bis zuletzt zum Madras Institute of Traumatology (MIOT) in Chennai, dessen Gründer P.V. Mohandas 1977 erstmals auf dem Rückweg von England nach Hause in Tübingen vorbeigeschaut hatte und beeindruckt war von der praktischen Ausführung der modernen Osteosyntheseverfahren nach den Prinzipien der AO. Ulrich Holz wurde ein Gründungsmitglied des MIOT und Member of Board of Directors. Nach seinem aktiven Dienst hat er noch viele Jahre immer wieder im MIOT operiert.

Die gemeinsame Arbeit von Unfallchirurgen/innen und Orthopäden/innen, er war auch Gründungsmitglied der Arbeitgemeinschaft für Endoprothetik (AE), hat Ulrich Holz zusammen mit Werner Blauth über die Gründung und langjährige Herausgeberschaft der Zeitschrift „Operative Orthopädie und Traumatologie“ begleitet. Er war auch Mitherausgeber des „Persian Journal of Clinical Orthopaedics“ und im Beirat zahlreicher anderer Zeitschriften.

Mit der Universitätsklinik für Traumatologie in Zagreb/Kroatien begründete er 1987 eine Partnerschaft mit dem Katharinenhospital Stuttgart.

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, deren Mitglied er seit 1975 war, wählte ihn zum Präsidenten der Gesellschaft für das Jahr 1993 und verlieh ihm im Jahr 2007 die Dieffenbach-Büste.
Zu den Themen Trauma, Korrekturen und Endoprothetik stammen von ihm über 250 Publikationen.
Ulrich Holz ist für manchen überraschend am 11.04.2021 verstorben, um ihn trauern seine Lebenspartnerin Angelika von Eckartsberg, seine Familie mit Kindern und Enkelkindern, Freunde und viele ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schülerinnen und Schüler.

Autor: Andreas Wentzensen

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