„Die Unfallchirurgie in Deutschland - unsere Verantwortung und Verpflichtung“
 

Grußwort des DGU-Präsidenten 2019 Prof. Dr. Paul A. Grützner

Professor Paul A. Grützner © Intercongress

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder, Freunde und Förderer der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie,

als Präsident des Jahres 2019 darf ich Sie herzlich begrüßen und hoffe, dass Sie und Ihre Familie einen guten Start in das neue Jahr hatten. Trotz aller Hektik und Geschäftigkeit bietet der Jahreswechsel für die Meisten von uns dennoch Gelegenheit zur Besinnung und Reflektion. Es ist aber auch die Zeit der guten Vorsätze und Pläne für das kommende Jahr. Dank eines unermüdlichen, ehrenamtlichen Engagements unserer Generalsekretäre, des Vorstands, der Präsidenten, des gesamten Präsidiums, aber in besonderer Weise auch der Arbeitsgemeinschaften und Sektionen der DGU, kann unsere Fachgesellschaft mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken.

Das dreistufige, mittlerweile flächendeckende Trauma-Netzwerk® der DGU dient anderen Versorgungsstrukturen, aber mittlerweile auch der Gesundheitspolitik, als Blaupause für eine erfolgreiche, patientenzentrierte Medizin gemäß Versorgungsauftrag und Ausstattung der Kliniken. Grundlage ist das Weißbuch der Schwerverletztenversorgung, das wir in diesem Jahr in der 3. grundlegend überarbeiteten Version vorstellen werden. Eingeflossen sind die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Trauma-Register der vergangenen 25 Jahre. In der Neuauflage wird auch die Rehabilitation Schwerverletzter eine bedeutende Rolle spielen. Ähnlich erfolgreich gestaltet sich die Etablierung von Alters-Trauma-Zentren® der DGU, die ebenfalls von einem Register begleitet werden. Möglich ist dies nur durch eine enge Kooperation mit den Kollegen der Geriatrie.

Nicht nur in der Alterstraumatologie ist eine interdisziplinäre Behandlung zum Wohle der Patienten von essentieller Bedeutung. So sind an unserer neuen S3-Leitlinie Polytrauma, die unter Federführung der DGU entstand, mehr als 10 weitere Fachgesellschaften beteiligt. Interdisziplinarität ist eine Herausforderung und Konsensfindung nicht immer ein leichter Weg. In einer modernen Hochleistungsmedizin ist Interdisziplinarität auch innerhalb unseres Fachs die einzige Möglichkeit zu optimalen Behandlungskonzepten, gerade bei mehrfachverletzten Patienten und bei der zunehmenden Anzahl von Patienten mit Komorbiditäten. Wir sind daher gefordert, darauf zu achten, dass Spezialisierung zwar notwendig und richtungsweisend ist, jedoch nicht dazu führen darf, dass der Überblick über die Gesamtproblematik unserer Patienten verloren geht. Wir brauchen daher ein breites Fundament in der Aus- und Weiterbildung, bevor vertiefende und zum Teil hochspezialisierte Zusatzqualifikationen erfolgen.

Die Vorhaltung von Notfallkapazitäten, auch besonders außerhalb der Kernarbeitszeit und auch in Versorgungsstrukturen außerhalb der Maximalversorgung ist unverzichtbar. Dies ist nur ein scheinbarer Widerspruch zur Notwendigkeit der Spezialisierung innerhalb unseres Faches, gefragt ist der Spezialist mit Überblick statt Tunnelblick.

Wir haben einen faszinierenden, vielseitigen und erfüllenden Beruf und es ist unsere Aufgabe, dies unserem Nachwuchs zu vermitteln. In der jährlich stattfindenden Zukunftswerkstatt der DGOU haben wir uns dieser Thematik gemeinsam mit dem BVOU und der DGOOC intensiv gewidmet. Junge Ärzte wünschen sich Perspektiven, Werte und Vorbilder. Unattraktiv ist das Bild eines Chirurgen, der mehr Zeit mit Dokumentation, Qualitätssicherung und Beantwortung von MDK-Anfragen verbringt als sich den Problemen der Patienten zu widmen. In diesem Zusammenhang muss diskutiert werden, ob die Anreizsysteme in der Medizin und der damit verbundene überbordende Verwaltungsaufwand heute noch zeitgemäß sind.

In diesem Sinne darf ich Sie auch im Namen meiner Mitpräsidenten Prof. Dr. Carsten Perka (DGOUC) und Dr. Thomas Möller (BVOU) zum DKOU 2019, dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie vom 22. bis 25.10.2019 nach Berlin einladen. Unser Kongressmotto in diesem Jahr lautet „Wissen braucht Werte“ und leitet sich aus den oben dargestellten Überlegungen ab. Wir möchten beim Kongress gemeinsam ein starkes Zeichen für unsere gemeinsamen Werte in Orthopädie und Unfallchirurgie setzen und mit dem größten europäischen Kongress unseres Fachgebiets die Plattform zur Wissensvermittlung in Orthopädie und Unfallchirurgie bieten. Die Sektionen, Arbeitsgemeinschaften und kooperierenden Fachgesellschaften der DGU, der DGOOC und des BVOU werden wir in besonderer Weise in die Programmgestaltung des Kongresses einbinden, so dass Sie eine interessante, hochkarätig besetzte Veranstaltung erwartet.

Ich möchte bei Ihnen für das Vertrauen bedanken, dass Sie mir durch die Wahl zum Präsidenten der DGU 2019 entgegengebracht haben und möchte mich mit aller Kraft für die Belange der Deutschen Unfallchirurgie und für unser gemeinsames Fach Orthopädie und Unfallchirurgie einsetzen. In besonderer Weise bedanke ich mich bei meinem Vorgänger Professor Joachim Windolf für die Übergabe einer bestens aufgestellten Fachgesellschaft und für sein herausragendes Engagement für die DGU.

Ich grüße Sie herzlich aus Ludwigshafen

Prof. Dr. med. Paul. A. Grützner